Süddeutsche Zeitung: Woher das Geld kommt

Die Bundesbank hat ihr Museum modernisiert. Besucher können einen Goldbarren anfassen, alte Münzen bewundern und viel über die Geschichte der Währungen lernen.
Von Markus Zydra

Da kommt schon Respekt auf, wenn man seine Hand durch die kleine runde Öffnung steckt, um mit dem in einer Vitrine liegenden Goldbarren ersten Berührungskontakt aufzunehmen. Die Fachleute erzählen immer wieder, dass ein solcher Klumpen Edelmetall viel schwerer sei als man angesichts seiner Größe erwarten würde. Dieser Barren ist so groß wie eine Milchtüte und kostet so viel wie ein Einfamilienhaus: 400000 Euro. Es ist ratsam, mit der einen Hand fest zuzupacken, denn das gute Stück wiegt stolze 12,5 Kilogramm. Willkommen im neuen Geldmuseum der Deutschen Bundesbank.

In Deutschlandsträuben sich viele Menschen, über Geld zu reden. Sich das Geld erklären lassen, dessen lange Geschichte, dessen Beschaffenheit und dessen System, ist da deutlich populärer. Wer könnte dazu besser berufen sein, als die Bundesbank, die Hüterin der Geldwertstabilität und Mutter der D-Mark? Zwei Jahre lang haben die Frankfurter Notenbanker ihre Ausstellung modernisiert und völlig neu konzipiert. Es war eine Herausforderung: Jeder Mensch nutzt zwar Geld. Doch woher es kommt und wie es entsteht, sind zum Teil sehr komplizierte Fragen, deren Antworten gerade in der Ausstellung einer Vereinfachung bedürfen. „Wir wollen anschaulich über Geld, seine Geschichte und die Aufgaben moderner Zentralbanken informieren“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann bei der Eröffnungsfeier. Leider sei das Wissen über Notenbankthemen in der Bevölkerung häufig nicht besonders ausgeprägt, beklagte Weidmann.

Die ersten Münzen sind etwa 650 Jahre vor Christus aufgetaucht

Gerade bei den unter 30-Jährigen habe das Wissen um Notenbanken stark abgenommen. Hoffnung mache immerhin, dass der Anteil der Jüngeren, die sich für Wirtschaft interessierten, in den vergangenen drei Jahren wieder kräftig gestiegen sei. „Die Jüngeren wollen sich offenbar wieder informieren – aber eben anders als früher“, sagte Weidmann. Natürlich geht es in der Ausstellung um die Ursprünge von Geld, etwa die Entstehung der Münzen ab dem Jahr 650 vor Christus. Natürlich wird auch die imperiale „Währungsunion“ der Römer dargestellt. Im ganzen Römischen Reich, von Portugal bis zum Persischen Golf, von Schottland bis Nordafrika, bezahlten die Menschen vor 2000 Jahren mit dem silbernen Denar. Luftig beschriebene Wandtafeln erläutern die Zusammenhänge. Die Bundesbanker geben sich auch modern multimedial mit Computerspielen, die mit dem Thema Geld zu tun haben. Die Ausstellung, so die Bundesbank, richte sich ausdrücklich auch an das junge Publikum.Auch sie können ihr Wissen in Fragespielen testen oder sich in einem Puzzle eine zerstückelte Banknote rekonstruieren. 

Die Aussteller geben sich Mühe, das Wesen von Geld greifbar zu machen. Eine Bankfiliale und ein Supermarkt wurden nachgebaut, um konkret zu zeigen, was eine Geldentwertung bedeutet und warum stabiles Geld so wichtig ist. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele ist besonders stolz auf den „Banknotenschwarm“ (siehe Foto). Das ist eine Glaswand mit 174 Geldscheinen aus 229 Ländern und Regionen.

Das Geldmuseum der Bundesbank wurde 1999 eröffnet, rund40000Besucher kamen im Schnitt jedes Jahr. Häufig waren es Schulklassen, die sich in den Frankfurter Norden aufmachten. Damals waren Smartphones und computergestützte Animationen noch ein Fremdwort–im Jahr 2010 beschloss die Bundesbank, das Museum für 19 Millionen Euro zu modernisieren. Die Arbeiten dauerten von 2014 bis Ende 2016.Schüler können sich dort über die schlimme Inflation in Deutschland von 1923 informieren. Die Erfahrung dieser Geldentwertung wirkt bis heute fort. Viele Deutsche haben stets Angst, dass ihr Geld erneut entwertet werden könnte. Deshalb kommt vor allem aus Deutschland so scharfe Kritik an der aktuellen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, deren erklärtes Ziel es seit Jahren ja ist, die Inflationsraten in Europa und damit auch in Deutschland zu erhöhen. Auch dieses hochaktuelle Themastreift die Ausstellung, deren Erklärungstexte auf Englisch übersetzt wurden.

Es werden auch recht komplexe Sachverhalte erklärt, etwa die Frage, was Geldpolitik ist, wann sie als locker, wann sie als straff zu bezeichnen ist, und was das mit den Leitzinsen zu tun hat. Die Formulierungen sind da vorbildlich verständlich und simpel gehalten –wohl zu simpel für manche Bundesbank-Experten, denn die gut verständliche Erklärungstafel zur lockeren Geldpolitik schließt mit dem Satz: „Der Komplexität geldpolitischer Entscheidungen wird diese Beschreibung allerdings nicht gerecht.“ Währungshüter haben einen besonderen Humor.


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