Milla & Partner Presse Milla & Partner Presse http://www.milla.de/ de Contao Open Source CMS Golden Award of Montreux für Erwin Hymer Museum Die internationale Jury in Montreux hat entschieden: Das Erwin Hymer Museum ist Gold wert. Für die exzellente Gestaltung der 2011 eröffneten Erlebnisausstellung zur Technikgeschichte des mobilen Reisens erhält die Stuttgarter Agentur Milla & Partner den Golden Award of Montreux. Der Award ist eine weltweit hoch angesehene Auszeichnung, die in wichtige Kreativrankings einfließt. Die prämierte Ausstellung mit ihren 80 historischen Wohnwagen und Reisemobilen und der sich steil hinaufwindenden Alpen-Route erzählt von der Kultur- und Technikgeschichte des mobilen Reisens, von Pionieren und den Sehnsüchten ihrer Zeit.

Das internationale Festival am Genfer See würdigt Werbung und Kommunikation als eine der interessantesten und einflussreichsten Kunstformen der modernen Kultur. Über 3.000 Arbeiten waren 2012 in den sechs Hauptkategorien eingereicht worden. Unabhängige, angesehene Juroren aus 18 Ländern haben die Gewinner ausgewählt. Für das Erwin Hymer Museum gab es Gold in der Kategorie „räumliche Kommunikation – permanent“.
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/101.html Thu, 03 May 12 00:00:00 +0200 http://www.milla.de/presse-artikel/items/101.html
Stuttgarter Nachrichten: Trabi mit Toblerone
In allen Größen und Formen säumen sie die Landstraßen. Ist es Einbildung, oder nimmt die Dichte der Wohnmobile tatsächlich zu, je näher man Bad Waldsee kommt? In der Tat liegt das mobile Reisen mit Hausstand im Trend. Der uralte Traum der Menschheit vom Unterwegssein und unabhängigen Reisen wird im neuen Hymer-Museum dokumentiert. Schon von weitem ist das Museumsgebäude auszumachen: mit leuchtend rotem Rahmen, unverkennbar in der Form eines Caravan-Fensters gebaut. Ein überdimensionales Schaufenster in der Landschaft, das durch seine riesigen Glasflächen Einblick in die Ausstellung gewährt.

Das rund 10 000 Quadratmeter große Gebäude versteht sich als Museum für Kulturgeschichte und Technik. Konzept und Design der Ausstellung stammen von der Stuttgarter Kommunikationsagentur Milla & Partner. Johannes Milla hat kürzlich auch mit einem in unserer Zeitung veröffentlichten Vorschlag zur Umgestaltung des Neuen Schlosses für Aufsehen gesorgt.

Dem Besucher eröffnet das Hymer-Museum eine Erlebniswelt, die das Wie, Wohin und Warum des mobilen Reisens zum Inhalt hat. 'Camping ist eigentlich nichts anderes als den kompletten Hausstand ins Auto verladen und verreisen', meint ein Besucher.

Wie sich Sack und Pack am besten verstauen lässt, kann man an mehr als 80 historischen Fahrzeugen und Gespannen begutachten, darunter erste Prototypen wie der 'Ur-Troll', gebaut 1957 von Firmengründer und Stifter Erwin Hymer.

Der Besucher wird auf farbig markierten Traumstraßen zu insgesamt acht Sehnsuchtsorten geführt, die jeweils eine Epoche der Zeit des mobilen Reisens symbolisieren. Den Auftakt bildet die grüne Traumstraße, symbolisch für die ersten Autowanderer der 1930er Jahre, die das Abenteuer Alpenüberquerung lockte. Da ächzten und stöhnten die Motoren, krochen die Fahrzeuge im Schneckentempo die steilen Passstraßen himmelwärts, im Schlepptau eine Einzelzelle auf Rädern, die Urform des heutigen Wohnwagens. 'Wenn wir eine Nacht draußen unter dem freien Himmel im Zelt nächtigen, uns bei Sonnenaufgang den Kaffee selbst kochen und die Zähne im Bach spülen, dann sind wir moderne Zigeuner', so beschrieb der bekannte damalige Reisejournalist Theo Rockenfeller den Zeitgeist dieser Tage, als das Campen noch Wohnwagenwandern hieß. Es war die Zeit von so manch skurrilem Gefährt, dem Sportberger G2 etwa, einer Mischform aus Nutz- und Wohnwagen, der an heutige Hundeanhänger erinnert, damals bekannt als 'Schäferkarren'.

Die, die über das nötige Kleingeld verfügten, verreisten nobel im Borgward Isabella Coupé von 1960 mit dem Luxus-Anhänger Dethleffs Nomad, weniger Betuchte fanden im Ferrari-roten Fiat mit dem Laika-500- Anhänger den passenden Reisegefährten.

Orange markiert den Sehnsuchtsort Indien. Zu Tausenden pilgerten die Blumenkinder und Hippies während der 60er Jahre ins ferne Asien. Ihr Markenzeichen: der kultige VW-Bus, kunstvoll mit psychedelischen Mustern verziert. Ohne GPS, Handy oder Internet - Reisen war damals eine existenzielle Erfahrung auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung und sich selbst.

Auch DDR-Bürger entdeckten das Campen als Ausdruck von Individualität und reisten an die Ostsee. Für alle, die sich keinen Wohnanhänger leisten konnten, gab es die 'Villa Sachsenruh', ein spartanisches Autozeltdach, das auf dem Dach des Trabant befestigt wurde. Mit der schokobraunen Zeltplane ähnelt es einem überdimensionalen Stück Schweizer Toblerone-Schokolade.

Entlang der Traumstraße, die von den Alpen nach Italien, Indien, an die Ostsee, in die marokkanische Wüste und zur legendären Route 66 in den USA führt, stehen die ausgefallenen Fahrzeuge: historische Automobile, Reisemobile und Caravans. Liebevoll restauriert und dekoriert wirken sie so lebendig, als wären die Urlauber nur kurz hinausgegangen.

Jeder der acht Sehnsuchtsorte lässt sich mit allen Sinnen erfahren. Im indischen Tempel steht der Kult-VW-Bus, im marokkanischen Zelt erlebt der Besucher auf der Leinwand das geschäftige Treiben des Basars, als wäre er live dabei. Im Wigwam der Nordamerika-Route sitzt man auf Sätteln, die täuschend echt den Trab eines Pferdes simulieren. In der eisblauen Pudelmütze des Sehnsuchtsortes Skandinavien bleibt der Besucher im warmen Caravan, während er durch ein Fenster auf die vereiste Polarlandschaft sieht, in der im Wechsel Polarlichter, Sturm, Wolken und Sonne erscheinen.

Das Museum präsentiert sich mit einem rundum gelungenen Konzept, an dem die ganze Familie Freude hat. Kinder wie auch Erwachsene finden viel Platz zum Ausprobieren und Entdecken. Fotostationen laden dazu ein, sich vor großer Kulisse mit witzigen Accessoires auszustatten und sich selbst zu fotografieren. Die Fotos können als Postkarte erworben oder später im Internet her-untergeladen werden. Als Highlight zum Abschluss lassen sich die Fotos im Globusraum mit seinen dreidimensional im Raum schwebenden Weltkugeln mit Touchscreen aktivieren und anzeigen. So erleben die Besucher ihre ­eigene Weltreise.

Der Besuch ist zu Ende, das Reisefieber ist geweckt. Am liebsten möchte man sofort aufbrechen.

Von Birgit-Cathrin Duval
aus Bad Waldsee ]]>
http://www.milla.de/presse-artikel/items/100.html Fri, 27 Apr 12 00:00:00 +0200 http://www.milla.de/presse-artikel/items/100.html
Stuttgarter Nachrichten: Bürgerschloss soll kein Luftschloss sein
Noch muss der Hausmeister nicht anrücken und die Schilder 'Finanzministerium' und 'Kultusministerium' am Neuen Schloss in Stuttgart abschrauben. Aber die Idee von Kommunikationsgestalter Johannes Milla, die Politik und die Beamten aus dem Neuen Schloss zu vertreiben und stattdessen daraus ein Bürgerschloss mit vielen Attraktionen zu machen, hat am Mittwoch zahlreiche Reaktionen in der Landespolitik hervorgerufen.

In der Villa Reitzenstein ist Millas 'interessante Ideenskizze positiv zur Kenntnis genommen worden', sagt Arne Braun, Sprecher der Landesregierung. Der Umzug des Staatsministeriums selbst in den Planieflügel des Neuen Schlosses sei allerdings wegen der Sicherheitsanforderungen nicht finanzierbar. Anfang Mai werde Milla zum Staatssekretär im Staatsministerium, Klaus-Peter Murawski (Grüne), kommen und seinen Vorschlag vorstellen. 'Wir prüfen, was von den Elementen dieser Ideenskizze im Neuen Schloss oder unter Umständen in anderen Liegenschaften realisierbar wäre', sagte Braun. Bisher sei geplant, im Planieflügel das Wirtschaftsministerium einzuquartieren.

Einen Umzug des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) von der Villa Reitzenstein ins Neue Schloss, wie Milla ihn sich wünscht, wird es allerdings zumindest vorerst nicht geben. Nach Informationen unserer Zeitung wird das Staatsministerium noch in dieser Woche den Vertrag für ein anderes Domizil unterschreiben. Weil der bisherige Regierungssitz energetisch saniert werden muss, werden Kretschmann und seine Mitarbeiter im Frühjahr 2013 in die unmittelbare Nachbarschaft umziehen. Das sogenannte Clay-Haus ist bis vor kurzem von der US-Armee genutzt worden. Das nach dem Militärgouverneur Lucius D. Clay benannte Anwesen wurde zuletzt von General William E. Ward bewohnt und ist unlängst an die Bundesrepublik zurückgegeben worden.

Ob dort alle Mitarbeiter unterkommen, ist noch offen. Deshalb wird offenbar an zusätzliche Container gedacht. Auch die Sanierung der Villa Reitzenstein gilt als kompliziert. Ein asbestverseuchtes Nebengebäude soll abgerissen werden. Dort braucht man danach eine andere Lösung. Ob die sich so einfach durch einen Neubau finden lässt, ist offen, weil in dem Gebiet auch für Regierungssitze strenge Bauvorschriften gelten.

Doch auch ohne Kretschmann findet das Bürgerschloss Zustimmung. Landtagspräsident Guido Wolf (CDU) sagt, er fühle sich durch die Idee von Milla bestätigt, denn die Politik müsse näher zu den Bürgern kommen. Auch wenn der Milla-Entwurf in absehbarer Zeit 'finanziell nicht machbar' sei, habe das Projekt einen großen Charme. Damit könne man 'einem Regierungsviertel ein Bürgerviertel gegenüberstellen', sagte Wolf und bekräftigte seinen Plan, unabhängig von einer möglichen anderen Nutzung des Neuen Schlosses zwischen Landtag und Oper schon bald ein Besucher- und Medienzentrum des Parlaments bauen zu lassen.

Etwas zurückhaltender äußert sich Landtags-Vizepräsident Wolfgang Drexler (SPD). Angesichts der bevorstehenden Umbauarbeiten im Landtag müsse das Neue Schloss in den nächsten Jahren erst einmal vom Parlament genutzt werden. 'Vor 2015 kann man also nicht über eine ganz andere Nutzung des Neuen Schlosses nachdenken', so Drexler. Bei einer möglichen Umsetzung der Milla-Ideen sei nun die Stadt gefordert. 'Bis 2015 gibt es dafür einige Zeit zur Diskussion.'

CDU-Landtags-Fraktionschef Peter Hauk sagt, er finde die Ideen des Planers 'grundsätzlich gut', die CDU sei schon bisher stets 'für bürgernahe Politik' gewesen. Da aber sogar Ministerpräsident Kretschmann seine 'Pläne verworfen hat, in die Stadt zu ziehen und Superminister Schmid noch nicht mal gewillt ist, das Schloss ganz dem Parlament zu überlassen, nehmen wir mal an, dass es bei den guten und interessanten Plänen des Architekten bleiben wird'.

Muhterem Aras von den Landtags-Grünen ist voll des Lobes über Millas Visionen: 'Ich finde die Idee sehr gut, das ist einer der schönsten Plätze in der Stadt.' Es sei schade, dass das Areal bisher den Bürgern nicht zur Verfügung stehe und die Autos im Innenhof parken dürften. Sie unterstütze deshalb die Suche nach einer neuen Nutzung. Ingo Rust (SPD), Staatssekretär im Wirtschafts- und Finanzministerium, zeigt sich hingegen skeptisch: 'Unser Schloss sieht von außen schöner aus als von innen - das meiste ist Stahlbetonbau. Das alles umzubauen, würde sehr teuer.' FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich-Rülke bekräftigt, seine Priorität sei es, 'dass der Landtag in das Schloss kommt. Das will der Finanzminister aber nicht, weil er selber Schlossherr bleiben will. Da wäre mir die Bürgerschaft doch lieber.'

Von Frank Krause, Jürgen Bock und Maria Wetzel
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/99.html Thu, 19 Apr 12 00:00:00 +0200 http://www.milla.de/presse-artikel/items/99.html
Stuttgarter Nachrichten: Das neue Bürgerschloss Am Neuen Schloss gar nichts. Mich stört aber, wie das Gebäude genutzt wird. Es ist die räumliche, visuelle und historische Mitte Stuttgarts wie auch Baden-Württembergs. Tausende von Menschen kommen daran vorbei, überall ist das Neue Schloss abgebildet – aber es ist öffentlich nicht zugänglich. In das Herz des Landes kann man nicht rein. Das ist so absurd wie ungewollt symbolisch.

Wer soll nun ins Neue Schloss hineindürfen und warum? Was soll darin geschehen?
Aus dem Neuen Schloss soll „das Neue Bürgerschloss“ werden: Ein Ort, in dem internationale oder regionale Besucher oder Stuttgarter erfassen können: Hier ist Baden-Württemberg. Ein Ort der Vergewisserung und des Auffindens von Identität. Wenn Sie so wollen: ein Ort der Heimat. Aber auch ein Ort der politischen Bildung und des Bewusstseins. Hier ist die Verfassung des Landes ausgestellt und erläutert: Rechte, Grundrechte und Pflichten der Menschen. Es geht um Gemeinsinn und Solidarität – auch mit Menschen, die noch nicht einen deutschen Pass haben. Es wird z.B. ein Politiklabor für Schulklassen geben. Es soll aber auch Orte der Begegnung von Bürgern und Politikern geben – eine Schimpfecke und eine interaktive Tafel der Vorschläge. Symbolisch gesagt: Die Bürger schauen der Regierung bei der Arbeit zu und kontrollieren, ob auch geschafft wird. Zugegeben, eine zutiefst romantische Vision, aber genau deshalb notwendig.

Nur mit einem Treffpunkt für den Souverän und seine Vertreter füllt man das Schloss aber nicht mit Leben.
Nicht nur der Ministerpräsident zieht ins bauliche Herz des Landes, sondern auch das beste, neueste und spannendste aus den Bereichen Kunst, Musik, Forschung, Medien, Wirtschaft, Sport. Es entsteht ein Ort des Ideendialogs. Es wird Säle geben, wo die Menschen, z.B. Kreative, Studenten, Schüler, Azubis, Forscher aus allen Branchen und Gebieten des Landes, ihre Ideen, ihre Innovationen vorstellen – oder auch einfach eine große türkische oder griechische Hochzeit gefeiert wird. Es wird Werkstätten, Ateliers, Proberäume, Studios geben. Es geht um ständigen Wandel, alles soll sich immer wieder verändern. So wie das Land und dessen Menschen.

Wird das Schloss durchlässiger?
Im Moment wirkt das Schloss wie ein unüberwindlicher Riegel. Man wird vom Oberen Schlossgarten zum Karlsplatz die Schlossflügel durchqueren können, und vom Ehrenhof hinüber direkt zum Landtag und dem Wilhelmspalais mit dem zukünftigen Stadtmuseum gehen.

Was schwebt Ihnen für den Ehrenhof vor, der abgesehen von gelegentlichen Konzerten als Parkplatz für Beamte vor sich hindämmert?
Wenn Autos und Absperrungen weg sind, und das Schloss geöffnet und durchlässig ist, wird sich der Ehrenhof von selbst mit Leben füllen. Ein paar Veranstaltungen könnten stattfinden – im Sommer könnte dort eine lange Tafel stehen, mit 44 Abschnitten, für jeden Landkreis einer. Oder ein Tanz in den Mai. Und im Winter dient der Ehrenhof als endlich schöne und würdige Eisbahn – ohne hässliche Buden, ohne Deko und Musik.

Vieles davon bietet die Innenstadt heute schon, Stichwort Sommerfest, Stichwort, Weindorf, Stichwort Einkaufnächte.
Ich bitte Sie! Das Schloss soll keine kommerzielle oder werbliche Eventisierung erfahren, darunter leidet der Schlossplatz schon mehr als genug.

Im Neuen Schloss sind das Finanz- und bald – nach dem Auszug des Kultusministeriums – das Wirtschaftsministerium des Landes untergebracht. Baden- Württemberg wird also – zu einem großen Teil – von hier aus regiert. Was ist daran schlecht, dass ein einstmals monarchischer Bau demokratisch genutzt wird?
Die nun schon 50 Jahre währende Aneignung des Schlosses durch Verwaltungsbeamte eines Ministeriums und deren Aktenordner ist keine demokratische Nutzung, sondern wurzelt in altem Privilegiendenken eines Behördenstaates. Klar möchte niemand, der einmal da drin ist, diese Büros in Bestlage und auch die Parkplätze hergeben. Doch die Beamten sind nicht Herren des Staates, sondern dessen Diener.

Der Versuch, das Schloss für alle zugänglich zu machen, ist bereits in den 1970er Jahren gescheitert. Warum sollte man sich jetzt für Ihre Idee erwärmen?
Die diversen Neubauten der Ministerien und deren derzeitige räumliche Umordnung und die geplanten Umzüge sind eine einmalige historische Chance, die Entscheidungen aus den 60er-Jahren zu korrigieren, das Schloss in weiten Teilen wieder öffentlich zugänglich zu machen und das Schloss zu einem Ort der Begegnung von Menschen (Bürgern und Touristen) mit diesem Lande und mit Politik zu machen. Und zu einem Ort, in dem man spüren und erleben kann: Hier ist Baden-Württemberg – nicht nur als Verwaltungsbegriff, sondern als lebendige Gemeinschaft.

Die grün-rote Landesregierung hat nach der Wahl vor gut einem Jahr mehr Bürgernähe versprochen. Mit Ihrer Idee wollen Sie Ministerpräsident Kretschmann jetzt beim Wort nehmen?
Sein Ansatz war richtig: Im 21. Jahrhundert gehört eine Regierung wieder mitten ins Volk, mitten in die Stadt, ins Schloss – das wäre das Geld wert, den für das Staatsministerium vorgesehenen Planieflügel sicherheitsgerecht umzubauen. Hier wurde aus Kostengründen zu schnell gekniffen. Aber diese arg schwäbische Fehlentscheidung ist sicher nicht unumkehrbar. Doch unser Ansatz geht weiter: Das Schloss soll allen Menschen offen stehen, für einen Ort der Begegnung von Politik mit Bürgern. Es soll hier nicht um die Vergangenheit des Bundeslandes gehen, die in der Nähe in zwei Museen bereits hervorragend dargestellt wird, sondern um dessen gelebte Gegenwart und um Zukunft.

Was wird aus den derzeitigen Nutzern?
Voraussetzung ist, dass der Schlossherr, der Finanz-und Wirtschaftsminister, bereit ist, sich zu Gunsten der Öffnung auf seinen engsten Stab im Schloss zu beschränken. Das sollte Nils Schmid angesichts seiner Bürgernähe und seines gesunden Pragmatismusses nicht schwer fallen. Er gibt den Menschen zum 60. Landesjubiläum das Schloss zurück – was für eine sozialdemokratische Geste!

Baden-Württemberg hat Ihrer Ansicht nach eine komplizierte Operation am Herzen nötig?
Ach, dem Land geht es ja gut. Wir stehen vielmehr vor einem Problem, das alle repräsentativen Demokratien Europas gleichermaßen betrifft: Die Entfremdung der Politik von den Wählern, und der allgemeine Eindruck, dass Politik nur noch über und für die Medien stattfindet. Mit der Folge, dass der Anteil der Nichtwähler mittlerweile regelmäßig höher ist als derjenige der stärksten Fraktion. Das ist gefährlich. Insofern geht es hier nicht nur um ein Baden-Württembergisches Thema, sondern um ein Projekt von internationaler Strahlkraft. Das Konzept ist keine Reaktion auf den Regierungswechsel, sondern weit über Legislaturperioden hinaus gedacht. Der Regierungswechsel und die bauliche Neuordnung der Verwaltungen hat lediglich das Fenster zur Jahrhundertchance „Neues Bürgerschloss“ geöffnet.

Das Attribut „Jahrhundertchance“ wird im Zusammenhang mit Großprojekten gerne bemüht. Sie sind Kommunikationsfachmann. Besteht nicht die Gefahr, dass viele Ihre Idee nur als weitere Werbemaßnahme für Baden-Württemberg und seine Landeshauptstadt deuten?
Imagekampagnen kommen und gehen. Hier geht es um eine dauerhafte Bürgerpartizipation, für die die Historie und Präsenz des Neuen Schlosses den Ort liefert und von der viele Generationen profitieren werden.

Wie hat man sich das ganze Projekt baulich vorzustellen?
Kurz zur Baugeschichte: Das Schloss brannte 1944 völlig aus. Der Marmorsaal, der Weiße Saal und die Treppenaufgänge wurden rekonstruiert, soweit es ging. Die Büros hingegen sind fürchterliche Einbauten aus den 60ern bis 80ern ohne jeden Denkmalwert. Es geht mitnichten darum, das Schloss zu rekonstruieren, sondern darum, die schlechten Büros auszuräumen, nichttragende Einbauten zu entfernen, und Luft und Licht und Menschen herein zu lassen, belebbare Säle und Räume zu schaffen, die gerne rau und informell sein können: Säle, die benutzbar und bespielbar sind, in denen man auch mal ein Loch in die Wand bohren kann, um mal in einem Symbol zu sprechen.

Auch ein Bürgerschloss gibt es nicht umsonst. Mit welchen Kosten müsste ein stets aufs Sparen bedachter Finanzminister rechnen?
Wir haben bisher keine Möglichkeit erhalten, Pläne einzusehen oder die Räume zu besichtigen. Wir wissen daher wenig über die genaue Bausubstanz. Aber unser Konzept kann und soll jetzt noch kein Architekturkonzept sein, sondern ein Nutzungs- und Inhaltskonzept. Trotzdem haben wir die Kosten im Auge: Erstens geht es keineswegs um eine Luxusrekonstruktion des Neuen Schlosses. Zweitens ist mit dem Auszug des Kultusministeriums ohnehin geplant, deren Büros zu renovieren – diese Mittel sind mit den Kosten des Neuen Bürgerschlosses gegenzurechnen. Und drittens, im Immobilieninvestorendeutsch gesagt: Die derzeitige und weiterhin geplante Nutzung dieser wunderschönen, zentral gelegenen, repräsentativen Immobilie als Bürogebäude ist eine Verschwendung von Steuergeldern. Das Neue Bürgerschloss hingegen rechnet sich. In Geld und in Werten.

Wer organisiert, was im Bürgerschloss passiert, und wie begeistern Sie die Bürger für Ihre Idee, ohne die geht es schließlich nicht?
Das Leben im Schloss soll aus dem Land und seinen Bürgern kommen und wird nicht von oben verordnet werden. Sicherlich muss das alles organisiert und kuratiert werden.

Wann kam Ihnen der Gedanke zum Bürgerschloss?
Uns von Milla & Partner treibt das Thema seit vier oder fünf Jahren um: Die Frage nach der Identität eines Bundeslandes – und ob man darauf Verantwortung, Gemeinsinn, Partizipation bauen kann. Demokratie ist mehr als alle vier Jahre ein Kreuzchen zu machen.

Nachdem Sie mit ihrem Entwurf „Bürger in Bewegung“ den Wettbewerb zum Einheitsdenkmal in Berlin gewonnen haben, geht der Bürger Milla nun in Stuttgart in die Offensive?
Das klingt mir zu pathetisch und zu personenbezogen. Wir haben die Idee in unserem Büro gemeinsam entwickelt. Wir gestalten von Stuttgart und Baden-Württemberg aus bundesweite und internationale kreative Projekte und sind uns dieses Standortes sehr bewusst. Jetzt wollen wir dem Land und der Stadt etwas zurückgeben. Uns ist das Neue Bürgerschloss ein wirkliches Anliegen.

Interview: Michael Deufel und Jörg Hamann

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http://www.milla.de/presse-artikel/items/98.html Wed, 18 Apr 12 00:00:00 +0200 http://www.milla.de/presse-artikel/items/98.html
CODE_n12 @ CeBIT: Ausgezeichnete Businessideen im begehbaren Kunstwerk Was wird die nächste große Innovation auf dem Feld mobiler Anwendungen? Businessideen, die das Zeug dazu haben, sind ab heute auf der CeBIT in Hannover zu sehen.

Beim globalen Wettbewerb „CODE_n12“ waren Innovatoren aus aller Welt eingeladen, ihre Lösungen zum Thema „Shaping Mobile Life“ einzureichen. 50 Finalisten hat die Jury aus über 400 Bewerbungen ausgewählt. Sie wurden von den Wettbewerbs-Organisatoren eingeladen, ihre Apps, Services und technischen Neuentwicklungen auf der weltgrößten Computermesse dem Fachpublikum vorzustellen.

Für die Präsentation der CODE_n12-Finalisten sind rund 3.500 Quadratmeter der Halle 16 reserviert. Den szenografischen Rahmen dafür bildet ein radikal neuer Auftritt. Die Fläche im Herzen des Messegeländes wird für fünf Tage zu einem begehbaren Kunstwerk – eigens gestaltet von dem renommierten Künstler Tobias Rehberger und dem Architekten Jürgen Mayer H. „Wir sind begeistert von der Vielfalt der Ideen und der Qualität der Einreichungen bei CODE_n“, sagt Ulrich Dietz, Initiator des Wettbewerbs und Vorstandsvorsitzender der GFT Technologies AG.

Bei der Entwicklung der Marke CODE_n und der Organisation des Wettbewerbs wurde GFT von Milla & Partner beraten. Eine besondere Herausforderung war die Realisierung und Begleitung des anspruchsvollen künstlerischen Konzepts von Tobias Rehberger und Jürgen Mayer H. im Funktionszusammenhang des Messebetriebs. Auch hier hat GFT auf die Expertise von Milla & Partner gesetzt und die Umsetzung in die Hände der erfahrenen Experten für Kommunikation im Raum gelegt. Entstanden ist einzigartiger Innovation Space, der den CODE_n12-Finalisten eine perfekte Bühne bietet – eine Plattform für Inspiration, Dialog und Business, auf der ein reger Austausch mit dem Fachpublikum herrscht.

Eine Jury mit Experten wie Gabriele Fischer (brand eins), Lars Hinrichs (HackFwd), Carsten Knop (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Paulus Neef (PQuadra), Jens-Uwe Sauer (Seedmatch), Dr. Joseph Reger (Fujitsu) und Prof. Peter Weibel (ZKM) nominiert nun noch zehn Finalisten für den mit 25.000 Euro dotierten CODE_n Award. Der Gewinner wird am dritten Messetag, dem 8. März, ermittelt.
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/97.html Mon, 05 Mar 12 00:00:00 +0100 http://www.milla.de/presse-artikel/items/97.html
FAZ: Nimm mich mit, Caravan, auf die Reise: Das neue Hymer-Museum
Errichtet wurde der Neubau zugunsten der eindrucksvollen, mehr als zweihundert historische Fahrzeuge umfassenden Sammlung, die der Reisemobil- und Wohnwagenpionier und Unternehmensgründer Erwin Hymer zusammengetragen hat. Achtzig von ihnen werden nun ausgestellt. Das älteste Stück ist ein vor 150 Jahren entstandener Schäferwagen. Dem Methusalem folgen mehr oder weniger chronologisch die mobilen Wohnungen der frühen dreißiger Jahre, darunter der "Ur-Troll" der Wirtschaftswunderzeit, der VW-Bus, der in den siebziger Jahren für fernesüchtige Hippies ebenso unverzichtbar war wie für reiselustige mittelständische Kleinfamilien, die komfortablen Wohnmobile der achtziger Jahre, mit denen aus Urlaubern, die das Ungewohnte scheuten, oft genug Kolonisatoren auf Zeit wurden.

Als kulturhistorische Parade stehen die Vehikel entlang einer imaginären "Traumstraße", die über zwei Geschossebenen führt, und geben einen fast lückenlosen Überblick über diese Form des Reisens. Die unterschiedlichen Ziele, von den Ötztaler Alpen angefangen bis hin zum Lido, Rimini oder Venedig, werden kenntlich als Sehnsuchtsorte all derer, die seit langem mobiles Reisen, das heute sogenannte "Caravaning", als Zwitterform aus Abenteuer und Gewohnheit, Ferne und Balkonien einem stationären Pauschalurlaub vorziehen.

Hintergrund ist neben der kulturhistorischen Betrachtung die technologische Entwicklung des Wohnmobils, gepaart mit einer Darstellung der Firmengeschichte. Die Hymer AG ist Europas führender Hersteller von mobilen Freizeitfahrzeugen und als Marke mittlerweile Synonym für das mobile Reisen.

So staunenswert die Fahrzeuge, so erwartbar der Bau: Unverkennbar eine Architecture Parlante, lassen seine beiden tomatenrot umrahmten Fassaden sofort an riesige Wohnwagenfenster denken. Nicht anders die gerundeten Konturen des weißen Baukörpers - da bieten die Architekten der erwähnten Automobilmuseen sich mit ihren Kurven, Spiralen und aerodynamischen Schwüngen doch weitaus mehr. Auch was den Umgang mit der Umgebung angeht, fällt der Neubau zwar ins Auge, das aber unangenehm. Anders nämlich als die berühmten barocken Kirchen, Klöster und Schlösser, die ringsum die Kulturlandschaft prägen, indem sie sich perfekt in sie einschmiegen, wirkt das zwölf Millionen Euro teure Hymer-Museum wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Immerhin und trotz alledem: Hoher Aufmerksamkeitswert ist dem Bau des Architekten Joachim Liebel nicht abzusprechen. So darf man wohl getrost mit den prognostizierten 120 000 Besuchern pro Jahr rechnen.
TIMO JOHN

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http://www.milla.de/presse-artikel/items/96.html Tue, 10 Jan 12 00:00:00 +0100 http://www.milla.de/presse-artikel/items/96.html
Kugel von balancity gewinnt den Design For Asia Award Die Kugel von balancity, dem Deutschen Pavillon auf der EXPO 2010 in Shanghai, hat nicht nur das überwiegend chinesische Publikum der Weltausstellung begeistert. Wie mehrere Hundert Besucher die drei Meter große Kugel durch gemeinschaftliche Interaktion zum Schwingen brachten und auf ihr mediales Spiel einwirkten, das hat die Fachwelt in ganz Asien beeindruckt. Für exzellentes Kommunikationsdesign in der Kategorie „Interactive / Digital Media“ wurde die Kugel von balancity nun gestern Abend in Hong Kong mit dem „Design for Asia Award“ (DFAA) ausgezeichnet.

Aus über 700 Einreichungen aus aller Welt war sie ausgewählt worden und gewann einen DFAA in Bronze. Der Design for Asia Award (DFAA) wird seit 2003 jedes Jahr vom Hong Kong Design Centre ausgelobt. Im Rahmen der feierlichen Preisverleihung haben die Gewinner gestern Abend im Hong Kong Convention and Exhibition Centre die Urkunde entgegengenommen. Nun werden die prämierten Arbeiten bis zum 3. Dezember in der Ausstellung auf der Inno Design Tech in Hong Kong präsentiert und im HKDC Awards 2011 Yearbook veröffentlicht.

Für Konzept, Planung und Realisierung des Deutschen Pavillons war die ARGE Deutscher Pavillon Shanghai gegründet worden. Gemeinsam brachte sie eine weit reichende EXPO-Erfahrung und fundierte Kompetenz aus dem Bereich des temporären Bauens auch in China in das Projekt ein. Die Ausstellungs- und Mediengestaltung lag in den Händen der Stuttgarter Agentur Milla & Partner. Für das Architekturkonzept zeichneten die Münchner Markenarchitekten Schmidhuber + Partner verantwortlich, die Generalplanung verantwortete Schmidhuber + Kaindl, der Bau lag in den Händen von NÜSSLI (Deutschland). Gesamtverantwortlicher Bauherr war das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das die Koelnmesse International als Durchführungsgesellschaft mit der Organisation und dem Betrieb des Deutschen Pavillons beauftragt hatte.
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/94.html Fri, 02 Dec 11 00:00:00 +0100 http://www.milla.de/presse-artikel/items/94.html
ADAM Award für Hebebühnen-Ballett und Horizont der Gitterboxen Im Rahmen einer feierlichen Gala wurden gestern Abend im Congress Center Rosengarten in Mannheim vor rund 1.500 Zuschauern die ADAM & EVA-Awards 2011 verliehen. Die Äpfel von ADAM & EVA sind die begehrtesten Trophäen der deutschen Messe- und Event-Branche. Wie fast jedes Jahr zählen Milla & Partner auch 2011 wieder zu den Gewinnern. Ihr „Hebebühnen-Ballett“ und der „Horizont der Gitterboxen“ haben die Jury beeindruckt. Für diese beiden großen, raumbildenden Installationen, mit denen Mercedes-Benz auf der Automechanika 2010 in Frankfurt überzeugen konnte, gab es einen ADAM in Bronze.

Das „Hebebühnen-Ballett“, dem das Publikum schon von der Agora der Frankfurter Messe aus zuschauen konnte, war Blickfang und Besuchermagnet zugleich. In einer fein abgestimmten Choreographie bewegten dabei alltagstaugliche Hebebühnen verschiedene Auto-Modelle auf und ab. Auf der gegenüberliegenden Längsseite prägten Gitterboxen das Bild. Eine rund 6 Meter hohe und 40 Meter breite horizontale Fläche bestand ausschließlich aus normierten Pfand-Boxen, in denen allerorts Autoteile gelagert und ausgeliefert werden. „Das waren Standard-Gitterboxen, die wir nach der Messe einfach wieder in den Pfandkreislauf zurückführen konnten“, erläutert Kreativ-Direktor Adrian von Starck. Hier wurde maximale Ökonomie und Ökologie im Messedesign realisiert.

Der Auftritt von Mercedes-Benz auf der Automechanika 2010 stand unter dem Motto „Part of your success.“ und umfasste eine Fläche von über 1.500 Quadratmetern. Milla & Partner zeichneten nicht nur für räumliche Inszenierung und Dramaturgie des Messestands verantwortlich, sondern für das gesamte Kommunikationskonzept – vom Besucherleitsystem, über Grafik-Design und Kommunikationsmobiliar bis hin zu den Live-Shows.
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/91.html Fri, 25 Nov 11 00:00:00 +0100 http://www.milla.de/presse-artikel/items/91.html
FAZ: Auf Traumstraßen zu Sehnsuchtsorten
Sowohl die technische Entwicklung als auch den kulturhistorischen Hintergrund veranschaulicht ein einzigartiges neues Museum in Bad Waldsee. Dort, gegenüber dem Hymer-Reisemobilwerk, steht ein zweiteiliger Gebäudekomkomplex unübersehbar auf einem Hügel, er hat die Form eines liegenden und eines stehenden Wohnwagenfensters, was eingefleischte Caravaner schon von weitem erkennen. Das zweigeschossige, stehende Fenster mit den charakteristischen runden Ecken ist dank seiner riesigen Glasflächen so lichtdurchlässig, dass man schon von außen die Exponate in ihrem Umfeld sieht. Und von innen kann man bei gutem Wetter bis zu den Alpen gucken.

Die Urlaubsreise eines Caravaners beginnt mit dem Einräumen seines Fahrzeugs. Das kann dauern, weil ja so viel Zeug mit muss, und davon kann sich der Besucher im „Aufbruchtunnel“ schon mal einen multimedialen Eindruck verschaffen. Und dann geht es endlich auf Tour: mit dem VW Käfer oder Opel Kadett samt Anhänger über fünfzehnprozentige Alpenpässe nach Italien. Auf den Serpentinen in der Ausstellungshalle führt der Weg der ausgestellten Gespanne in genau solchen Steigungen ins Obergeschoss. Da wird sich mancher daran erinnern, dass seinerzeit oft das Kommando kam: Alles aussteigen und schieben!

Acht Sehnsuchtsorte kann man im Museum ansteuern, und wenn man sie erreicht, findet man sich in einer traumhaften Kulisse wieder, die alle Sinne anspricht. Im Zelt in der Form einer marokkanischen Mokka-Kanne kann man eintauchen in ein orientalisches Ambiente und sich in kurzen Filmen in die Wüste oder auf den Basar entführen lassen. Den Wigwam der amerikanischen Indianer betritt man durch einen Streifenvorhang aus duftendem Leder, man läuft auf gestampftem Lehmboden, sitzt auf Sätteln und kann einen Filmflug über den Grand Canyon erleben, projiziert auf ein gespanntes Kuhfell. Im indischen Ganesha-Tempel, beschallt mit entsprechender Musik, steht „der“ ausgebaute VW Bus, mit dem Tausende durch die Welt zigeunerten.

So entsteht an jedem Sehnsuchtsort eine authentische Umgebung, dekoriert mit meist originalem Zubehör. Das war oft noch in den Fahrzeugen enthalten, die man Erwin Hymer für seine Sammlung angeboten hat. Jahrzehntelang hat er sie irgendwo gelagert, bis vor zehn Jahren die Idee eines Museums konkretisiert wurde. Seit dem vorigen Wochenende ist es eröffnet, es zeigt 80 Exponate aus einem Fundus von 200. Sie stehen entlang der Traumstraßen, in die meisten kann man hineinschauen oder sogar hineingehen, man hat manchmal den Eindruck, der Besitzer könnte jeden Moment zurückkommen.

Es sind fast nur Originale, die in der Museumswerkstatt aufgearbeitet wurden. Nur wo das ursprüngliche Gefährt nicht mehr existiert, etwa das „Wohnauto“ von Dethleffs, 1931 der allererste Caravan in Deutschland, wird ein Nachbau ausgestellt. Die englischen Globetrotter waren noch früher unterwegs, im Car Cruiser von 1932 gab es sogar schon einen kleinen eingebauten Toiletten-Eimer. Was den unbefangenen Besucher stark beeindruckt, sind die Phantasie und der technische Einfallsreichtum der Camper aus der ehemaligen DDR, die mit ihrem Sehnsuchtsort „Ostsee“ vertreten sind. Man steht staunend vor Gefährten, die aussehen wie Flugzeugrümpfe oder Boote, mit Hubdächern und absenkbarem Fußboden. Die Besucher können sich an vielen Stellen selbst in Szene setzen, auch Kinder haben einiges zu tun, und am Ende darf man das Ergebnis seiner Aktivitäten mit nach Hause
nehmen. Aber wir wollen hier nicht alles verraten.
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/89.html Sun, 06 Nov 11 00:00:00 +0100 http://www.milla.de/presse-artikel/items/89.html
Silber für balancity beim Designpreis Deutschland 2012 „balancity“, der Deutsche Pavillon auf der EXPO 2010 in Shanghai, wird mit dem Designpreis Deutschland 2012 in Silber für Spitzenleistungen im Kommunikationsdesign ausgezeichnet. Die Ausstellungs- und Mediengestaltung des Pavillons lag in den Händen der Stuttgarter Szenografen Milla & Partner, die Architektur stammte von Schmidhuber + Partner, München.

Am 10. Februar 2012, bei der feierlichen Preisverleihung auf der Messe Frankfurt, werden die gekürten Gewinner den Preis entgegennehmen. Schon jetzt freuen sie sich über die höchste deutsche Auszeichnung, die vom Rat für Formgebung anstelle des ausgesetzten Designpreises der Bundesrepublik Deutschland ausgelobt wurde. Zugelassen waren nur Projekte, die bereits mit einem nationalen oder internationalen Designpreis ausgezeichnet worden waren.

Über 1.500 Einreichungen wurden der internationalen Fachjury am 11. und 12. August 2011 in Frankfurt präsentiert. Mit der erstmaligen Ausschreibung des Designpreises Deutschland hat der Rat für Formgebung die Lücke in der Designförderung, die durch das Aussetzen des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland durch das BMWi entstanden ist, mit einem adäquaten Angebot geschlossen. „Wir freuen uns sehr über das Ergebnis. Es zeigt, dass der Markt unsere Initiative goutiert hat. Die Branche braucht einen exklusiven Premiumpreis,“ so Andrej Kupetz, Hauptgeschäftsführer des Rat für Formgebung.

Wer den Preis der Preise gewinnen will, muss zuvor bei einem anderen hochkarätigen Gestaltungswettbewerb ausgezeichnet worden sein. Bereits die Teilnahme ist eine Ehre. Denn man kann sich nicht einfach anmelden, sondern wird von einer Expertenjury nominiert. Für den Designpreis Deutschland 2012 kürten die 10 Juroren insgesamt 25 Gewinner im Bereich Produktdesign und 24 Gewinner im Bereich Kommunikationsdesign. „Die Aufgabe der Jury war nicht einfach“, so Kupetz. „Nicht nur die Quantität der Einreichungen, sondern vor allem ihre hohe Qualität haben die Jury vor eine schwierige Aufgabe gestellt.“

Eine Auszeichnung mit dem Designpreis stellt unter Beweis, dass ein Projekt im internationalen Wettbewerb überzeugt. Der Deutsche Pavillon auf der Weltausstellung in Shanghai war eines der großen EXPO-Highlights. Der vielfach preisgekrönte Publikumsmagnet zählte mehr als vier Millionen Besucher. Das Bureau of Shanghai World Expo Coordination verlieh ihm den Golden Award für die „beste Umsetzung“ des EXPO-Themas „Better City, better life“.

Für Konzept, Planung und Realisierung des Deutschen Pavillons war die ARGE Deutscher Pavillon Shanghai gegründet worden. Gemeinsam brachte sie eine weit reichende EXPO-Erfahrung und fundierte Kompetenz aus dem Bereich des temporären Bauens auch in China in das Projekt ein. Die Ausstellungs- und Mediengestaltung lag in den Händen der Stuttgarter Agentur Milla & Partner. Für das Architekturkonzept zeichneten die Münchner Markenarchitekten Schmidhuber + Partner verantwortlich, die Generalplanung verantwortete Schmidhuber + Kaindl, der Bau lag in den Händen von NÜSSLI (Deutschland). Gesamtver-antwortlicher Bauherr war das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das die Koelnmesse International als Durchführungsgesellschaft mit der Organisation und dem Betrieb des Deutschen Pavillons beauftragt hatte.
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/87.html Wed, 02 Nov 11 00:00:00 +0100 http://www.milla.de/presse-artikel/items/87.html
PAGE 12/11: Interaktive Exponate ermöglichen neue Erzählweisen
Wir entwickeln vor allem innovative Schnittstellen und Interaktionen, erforschen Neue Medien und Kommunikationsformate. Wir sind konzeptionell und beratend in den Workflow aller Abteilungen der Agentur eingebunden. Etwa die Hälfte der Zeit kümmern wir uns um freie Forschungsprojekte, die noch nicht mit einem konkreten Auftrag verknüpft sind.

Womit beschäftigen Sie sich momentan im Innovationslabor?

Hauptsächlich geht es um sinnliche Reisen durch reale und virtuelle Räume, in denen wir das Vernetzen und Verschränken aller Genres und Kunstformen, aller Technologien und interaktiven Medien üben, und dabei die Besucher aktiv einbinden. Ein wichtiger Aspekt ist hier die Medienkonvergenz, also die Möglichkeit, Inhalte auf verschiedenen Plattformen – etwa in Projektionen, im Internet oder auf Mobile Devices – auszuspielen. Da ist ein effizientes Content Management gefragt, das für leichte Aktualisierbarkeit sorgt. Bedeutend für unsere Arbeit sind die Fortschritte auf dem Gebiet der Sensorik. Z.B. eröffnen Sensoren wie die Kinect, die auf Licht und Bewegung reagieren, ganz neue Interaktionsmöglichkeiten. Aus Sicht des Anwenders sorgen sie quasi für eine Dematerialisierung von Eingabegeräten, können die Grenzen zwischen realen und digitalen Räumen auflösen.
Zusammen mit dem Heinrich-Hertz-Institut haben wir verschiedene Formen der berührungsfreien Gestensteuerung entwickelt, zum Beispiel für ein Spiel im Deutschen Pavillon auf der Expo 2010 in Shanghai. Indem der Spieler ohne Berührung der Oberflächen auf Objekte deutete und interagierte, führte er für die anderen Besucher verblüffende Bewegungen vor. Noch sind die User in der Gestensteuerung unerfahren, aber vielleicht werden sich schon bald allgemein übliche Gesten herausbilden. Niemals entwickeln wir die Technik isoliert, sondern immer ausgehend von konzeptionellen Fragen: Welche Information ist wichtig? Welche Erwartungen und Bedürfnisse hat der Besucher? Kommt er alleine oder in Gruppen? Bewegt er sich frei oder geführt? Welcher Dramaturgie folgt die Inszenierung von Exponaten und Räumen?

Gibt es bei der gestischen Kommunikation eigentlich Unterschiede zwischen China und Deutschland?

Ja. Zum Beispiel haben wir bestimmte Gesten außen vor gelassen, weil sie in China abfällig wirken. Ein weiteres Beispiel ist das Balance-Spiel, bei dem die Besucher über das Drehen und Neigen einer Platte mit QR-Marker eine Kugel durch das digitale Stadtmodell von Berlin rollen ließen. Weil wir wussten, dass Chinesen gern gemeinsam spielen, haben wir eine besonders große Steuerungsplatte verwendet, die mehrere Personen bedienen können.

Was können interaktive im Gegensatz zu herkömmlichen Exponaten leisten?

Sie können den Besucher aktivieren, können ihn dazu verführen, sich mit einem Thema auseinander zu setzen, Interesse wecken.
Interaktive Exponate machen es leicht, verschiedene Informationsebenen anzubieten. Der Nutzer kann damit so weit in die Materie einsteigen, wie er es in der aktuellen Situation wünscht. Das ist besonders bei heterogenen Zielgruppen gefragt.
Zudem ermöglichen interaktive Exponate neue Erzählweisen, die den Besucher in eine Geschichte hineinziehen. Zum Beispiel können wir historische Exponate subtil und atmosphärisch zum Leben erwecken, indem wir sie mit überraschenden Infos, Klängen und Bildern erweitern. Durch Partizipation der Besucher können wir ein hohes Maß an Immersion erreichen, ein ganzheitliches Eintauchen in die Thematik.

Welche Rolle spielt bei Ihnen das Prototyping?

Wir arbeiten viel mit Testaufbauten, die wir in unserer hauseigenen Werkstatt produzieren. Das Prototyping ist ein unerlässlicher Schritt, um im Gestaltungsprozess Funktions- und Interaktionsprinzipien zu untersuchen und zu überprüfen. Prototypen sind Demo-Filmen oder Powerpoint-Präsentationen weit überlegen, denn sie machen interaktive Konzepte direkt erfahrbar – nicht zuletzt für die Kunden. Manchmal scheuen Auftraggeber das scheinbare Risiko, das innovativen Konzepten anhaftet. Ein funktionierender Prototyp oder ein Mock-Up leistet da beste Überzeugungsarbeit.

Und wie geht die Entwicklung interaktiver Medien weiter?

Der nächste Schritt sind Konzepte für die Interaktion im öffentlichen Raum und dessen gemeinsame oder individuelle Gestaltung. Sensoren und Schnittstellen, die dafür sorgen, dass sich die Umgebung an die Bedürfnisse der Bewohner anpasst, wie Leitsysteme oder die Beleuchtung am Abend. So können sich Bürger via Internet oder Smartphone einen personalisierten „öffentlichen“ Raum gestalten. Digitale Interaktion wird immer häufiger in der realen Welt stattfinden. Das passiert schon heute – etwa in Street Galleries in denen Kunstwerke über getaggte Häuserwände auf dem mobilen Display sichtbar werden – Augmented Street-Art.
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/90.html Sat, 15 Oct 11 00:00:00 +0200 http://www.milla.de/presse-artikel/items/90.html
PAGE 07/11: Brennpunkt
Die Entscheidung ist gefallen: Der umstrittene Entwurf der Stuttgarter Agentur Milla & Partner und der Choreografin Sasha Waltz für das Denkmal zur Deutschen Einheit soll nun umgesetzt werden. Die Arbeit „Bürger in Bewegung“ sieht eine goldene Waagschale auf dem Berliner Schlossplatzvor, die sich jeweils zu der Seite neigt, auf der sich mehr Menschen befinden.

Der Deutschen Einheit wird ein Denkmal gebaut und das Feuilleton ist außer sich. Die Elfenbein-Federn konstatieren Katerstimmung und allgemeinen Blues, dem Deutschland nun anheimgefallen sei. Sicherheitshalber gibt die „Süddeutsche Zeitung“ den Denkmal-Erfindern noch ein paar auf die Mütze und drischt auf die Jury ein.

Im deutschen Art Directors Club hat man für Arbeiten dieser Art die Kategorie Kommunikation im Raum. Das hat sich international durchgesetzt, ist allerdings relativ neu und wird von den Hochsitzen der Kulturredaktionen noch nicht wahrgenommen. Hier wird ein Bauwerk nicht danach beurteilt, ob es den Regen abhält oder 50 000 Menschen fasst, sondern danach, was es einem Betrachter sagt. Was es auszulösen vermag, beispielsweise Einsicht, Erkenntnis, Emotion.

Das geplante Denkmal ist eine große Waagschale. Einfacher kann man Demokratie nicht erklären. Zu einfach? Gemein und verführerisch springt da der Kalauer „Hüpfburg“ auf den „SZ“ Schreibtisch. Reflexartig eilen die Kollegen von „ZEIT“, Spiegel Online und Co herbei und springen auf dem Denkmal-Entwurf herum. „Mitmachskulptur“ empört sich die „ZEIT“. Das ist ja grauenhaft. Die Vorstellung, dass da der Plebs mitmachen kann. Dass zwei Busladungen Rodgauer Schüler wirklich auf dieser Demokratieschaukel rumlaufen, mit den Füßen abstimmen und wenigstens eine Erkenntnis von ihrem Hauptstadtbesuch mitnehmen. Die “Neue Zürcher Zeitung“ formuliert: „Animierende Freizeitgestaltung in Denkmalform“. Sollen Denkmäler denn nicht animieren? Oder sollte das Animieren nicht in der Freizeit, sondern im Hauptberuf passieren? Liegt da vielleicht das grundsätzliche Missverständnis? Was darf ein Denkmal?

Zurück auf die Hüpfburg. So eine macht zweifelsfrei Spaß. Was ist verkehrt daran, wenn Begreifen Spaß macht? Selbst wenn es sich um dieses anscheinend heilige, spaßbefreite Thema der Deutschen Einheit dreht. Millionen auf der Straße? Freudentränen? Tänze auf der Berliner Mauer? Alles lediglich Oberfläche! Her mit Waschbeton und schweren Quadern. Es hat sich ausgelacht.
Argumente? Weshalb? Es reicht ja, wenn man auf die Erfinder verweist oder nach ihnen tritt. Eine Firma, die laut „SZ“ für „allerlei eventbedürftige Player“ arbeitet (von Milla & Partner ist zum Beispiel der deutsche Pavillon in Shanghai), und die Choreographin, die „ein Event für sich“ ist. Vielen Dank für die Informationen.

Das geplante Denkmal ist ein cleverer, fröhlicher Denkanstoß. Ja, auch für Menschen, die man erst einmal anstoßen muss, bevor sie denken. Wer diese Schüssel einmal in Bewegung gesetzt hat, wird den Moment lange nicht vergessen. Weil er Emotionen erlebt hat. Sehr verdächtig.

Hans-Peter Albrecht
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/86.html Tue, 07 Jun 11 00:00:00 +0200 http://www.milla.de/presse-artikel/items/86.html
Stuttgarter Nachrichten, 28.05.2011: Mann mit Weitblick
Johannes Milla ist derzeit auf der Überholspur unterwegs. Mit seiner Agentur im Heusteigviertel gewinnt er an Preisen, was zu gewinnen ist. Und er entwirft gemeinsam mit Choreografin Sasha Waltz das nationale Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin. Bei einem solchen Tempo kann es passieren, dass man auch mal beinahe übers Ziel hinausschießt. Zum Redaktionsgespräch kommt Milla leicht verspätet ins Pressehaus. Fast wäre er aus alter Gewohnheit auf der B 27 an Möhringen vorbeigebraust Richtung Kirchentellinsfurter Baggersee. "Dort kann man auch mal einen Kilometer geradeaus schwimmen", entschuldigt er sich lächelnd, "ich habe halt schon ans Anbaden gedacht."

Nicht nur im Wasser ist der 50-Jährige in seinem Element. "Kommunikation im Raum" nennt er das, was er in seiner Agentur praktiziert, und dieses Motto füllt er mit Leben. Milla rutscht auf dem Stuhl hin- und her, breitet die Arme aus, zeichnet Skizzen auf Zeitungen. Dann wieder lehnt er sich kurz zurück und legt die Stirn in Falten, um nachzudenken. Die Worte kommen wohlüberlegt.
Etwa, wenn er von Teamarbeit spricht. Dass sein Name in dieser Geschichte bisher schon ein halbes Dutzend mal gefallen ist, dürfte Milla nicht recht sein. Zwar firmiert die Agentur unter seinem Nachnamen, doch der Geschäftsführer verweist darauf, dass Mitgründer Peter Redlin und sieben weitere Partner dazu gehören. "Ich sehe mich als Teil von 45 Menschen, die bei uns arbeiten", sagt er.

Drei davon werden in den nächsten Monaten mit dem Einheitsdenkmal beschäftigt sein. Ein guter Teil der Arbeit ist freilich schon für den Wettbewerb investiert worden. Über 200 Arbeitstage sind in das Projekt geflossen, diverse Partner haben fast noch einmal so viel beigesteuert, bis sich die Stuttgarter gegen 380 andere Bewerber durchgesetzt hatten. "Ein solcher Wettbewerb ist ein echtes unternehmerisches Risiko", weiß Milla. Deshalb müsse man vorher genau die Chancen abwägen. "Wir machen nur bei jedem sechsten oder siebten mit, zu dem wir eingeladen werden", sagt der Agenturchef. Und trotz all der Erfolge könne man vorher nie wissen, wie es ausgeht: "Manchmal gibt es für uns auch Niederlagen, die uns schmerzen."

Da ist es gut, wenn das Alltagsgeschäft auf ganz anderen, soliden Füßen steht. "Manche Anrufer fragen inzwischen, ob wir überhaupt noch Zeit für sie hätten", sagt Milla, "aber natürlich haben wir die!" 70 Prozent der Arbeit sei ohne jede Öffentlichkeit. Die Gestaltung von Messeständen, Museen und Besucherzentren, Firmenaufträge und Veranstaltungen, davon lebt die inzwischen international bekannte Kreativzentrale nach wie vor. "So sehr uns die öffentliche Aufmerksamkeit freut - sie spiegelt nicht den Alltag wieder", sagt Milla.

Die große Öffentlichkeit muss auch nicht immer wohlgesonnen sein. Am Entwurf für das Einheitsdenkmal, einer 55 Meter breiten Schale, die von Besuchern bewegt werden kann, gab es auch harsche Kritik. Von "Vergnügungsparkarchitektur" ist die Rede gewesen oder gar von einer "Obstschale". "Die deutsche Einheit geht uns alle an", erläutert Milla das Konzept, "das Denkmal ist deshalb nur komplett mit den Menschen, die gemeinsam etwas bewegen. Und die es von Tag zu Tag neu interpretieren und durch ihre Präsenz neu gestalten." Das Monument solle besonders die Leute ehren, die zur Zeit des Umbruchs ihr Leben riskiert hätten, und die so gewonnene Freiheit und Einheit feiern. "Aber vielleicht", mutmaßt der 50-Jährige, "hat man in Deutschland generell Probleme mit Denkmälern der Freude."

Dass die Stuttgarter Agentur daran beteiligt ist, macht die Mitarbeiter bei aller Bodenhaftung stolz. Dass Milla dabei vorneweg geht, ist alles andere als selbstverständlich für jemanden, der einstmals Theaterwissenschaft, Germanistik und Turkologie studiert hat. Durch die Arbeit an verschiedenen Münchner Theatern geriet Milla eines Tages an den Auftrag, eine Modenschau auf einer Sportmesse zu organisieren. Es folgten immer mehr Engagements in den Bereichen Mode und Theater. "Irgendwann habe ich nicht mehr bemerkt, dass ich gar keine Zeit mehr zum Studieren hatte", sagt Milla und schmunzelt, "das war ein fließender Übergang." Heute nennt er sich Gestalter von Kommunikation im Raum oder Szenograf. Andere nennen ihn einfach einen kreativen Kopf.

Der denkt weit über Aufträge und Denkmale hinaus. Milla macht sich viele Gedanken über Stuttgart. Zwar sei das angeblich biedere Image der Stadt ein reines Selbstbild ihrer Bewohner, das er außerhalb kaum antreffe - aber dennoch fehle es an einem klaren Leitbild. "Stuttgart muss sich besinnen, was es sein will", sagt Milla. Er sehe drei "genetische Codes", die die Stadt prägten, aber vernachlässigt würden: Den historischen Ursprung des Stutengartens, das Mineralwasser, das kaum eine andere Stadt bieten könne, und die Hügel Stuttgarts.

Besonders die Topografie hat es Milla angetan. "Stuttgart ist die Stadt der Hügel und der Vertikalen", sagt er und lehnt sich weit nach vorn, "diese Lage ist sensationell, mit diesem Pfund muss man wuchern." Die Auffassung, die Stadt sei durch ihre Kessellage eingezwängt, sei ein fundamentaler Irrtum. "Stuttgarts einmalige Qualitäten entstehen durch die bergige Lage" - diese sei zu betonen, und nicht durch immer neue Tunnels zu bekämpfen, sagt Milla, "noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich die Weinsteige hinunter fahre. Stuttgart ist wirklich die schönste Stadt Deutschlands."

Deshalb würde der Kommunikationsspezialist gerne mehr Seilbahnen sehen, Downhill- und Longboardstrecken und mehr städtebauliche Betonung der Hanglagen. Die Kommunikation um den Tiefbahnhof von Stuttgart 21 sieht er kritisch: "Die Befürworter haben von Anfang an den Fehler gemacht, das Projekt rational zu begründen: mit Fahrzeiten, Städtebau, Umwelt, Bratislava, 5000 Bäumen und 10.000 Arbeitsplätzen." Diese Argumente seien seit der Schlichtung fragwürdig. Dabei seien sie als Begründung gar nicht nötig gewesen: "Stuttgart 21 war und ist ausschließlich als Imageprojekt gewollt und zu bewerten und ein Imageprojekt ist erst mal nicht abwegig". Auf dieser Basis wäre zu diskutieren gewesen.

Er lehnt sich zurück. "Stuttgart - weiter blicken", sagt er mit Nachdruck. Das sei sein Vorschlag für einen zur Stadt passenden Slogan. Schließlich sei sie sowohl von der Topografie, der innovativen Industrie als auch der zukunftsorienierten und interdisziplinären Denke her ein Ort der Weitsicht. Die Jury für das neue Stadtmarketinglogo, bei dem sich Milla & Partner auch in Kombination mit diesem Spruch beworben hatten, sah das nicht so und wird demnächst einen anderen Siegerkandidaten präsentieren.

Die Zeit verrinnt. Manches hat Milla noch auf dem Herzen. Er wird sich weiter zu Wort melden. Jetzt aber stehen die nächsten Termine an. Zum Anbaden wird es ihm heute nicht mehr reichen.

von Jürgen Bock
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/84.html Sat, 28 May 11 00:00:00 +0200 http://www.milla.de/presse-artikel/items/84.html
Messestand-Konzept und mobile Apps für DeDietrich Für den Auftritt des Heizsysteme-Herstellers De Dietrich Thermique auf der ISH 2011 in Frankfurt haben Milla & Partner nicht nur ein überzeugendes Stand- und Kommunikationskonzept entwickelt, sondern auch eine ganze Reihe attraktiver Apps, die an fünf Messetagen für reges Interesse und lebendigen Informationsaustausch sorgten.

Die ISH, weltgrößte Leistungsschau für Baddesign, erneuerbare Energien, Heizungs- und Klimatechnik, zählte 2011 über 200.000 Besucher. De Dietrich stellte hier auf einer Fläche von 300 Quadratmetern seine neuen, modularen Brennwert- und Multi-Energie-Systeme vor. Der von Milla & Partner gestaltete Messeauftritt spiegelte den Systemgedanken des Herstellers konsequent wieder: Kommunikations-mobiliar, Medien und Präsentationsmöglichkeiten waren flexibel und frei kombinierbar.

Modularität im Spiel erfahren
Die Modularität der Heizsysteme von De Dietrich konnten die Fachbesucher auf ganz spielerische Weise erfahren. In ihrem Innovationslabor in Stuttgart haben Milla & Partner verschiedene, intuitiv bedienbare Anwendungen entwickelt, etwa den „Multi-Kombinator“, mit dem sich die Nutzer eine Heizungslösung nach Wunsch zusammen setzen konnten, oder den „Typfinder“, der ihnen dabei half, die für sie passende Produktgruppe zu identifizieren.

Das charmante an diesen Anwendungen: Sie konnten geräte- und plattformunabhängig genutzt werden – zum Beispiel an einem Multitouchtisch oder im Internet. Für Flexibilität und Komfort beim Management der bereitgestellten Inhalte sorgte ein Content-Management-System (CMS), das ebenfalls von Milla & Partner entwickelt wurde.

Mobile Apps und Augmented Reality
Besonders beliebt beim Messepublikum waren die mobilen multitouchfähigen Tablet-Computer (Galaxy-Tabs), die für maximale Bewegungsfreiheit sorgten. Über die Augmented-Reality-Applikation auf den Tablet-PCs konnten die Nutzer mit zwei Finger-Tipps die gewünschten Detailinformationen abrufen, indem sie die an den Exponaten angebrachten QR-Codes einlasen. Die Bereitstellung der Tablet-PCs und Apps verlieh den Standbesuchern einerseits völlige Autonomie beim Erschließen des Standes, andererseits bot die Übergabe der Tools durch das Standpersonal eine ideale Gelegenheit für den Gesprächseinstieg.
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/83.html Mon, 23 May 11 00:00:00 +0200 http://www.milla.de/presse-artikel/items/83.html
ADC verleiht vier Nägel an Milla & Partner Die Teilnahme am ADC Wettbewerb hat sich für Milla & Partner in diesem Jahr besonders gelohnt. Die Stuttgarter Szenografen gingen mit insgesamt vier der höchst begehrten ADC Nägel und einer weiteren Auszeichnungen für ihre Arbeit an „balancity“, dem Deutschen Pavillon auf der EXPO 2010 in Shanghai nach Hause. Das breite Spektrum der Kategorien, in denen Milla & Partner gewinnen konnten, spiegelt das hohe Maß an Interdisziplinarität und grenzüberschreitendem Denken wider, mit dem sich die Agentur für Kommunikation im Raum immer wieder profiliert.

Die große interaktive Kugel von balancity fand die Jury gleich dreifach preiswürdig. Das Herz-stück des Deutschen Pavillons in der sogenannten Energiezentrale gewann einen silbernen Nagel in der Kategorie „Digitale Medienformate im Raum“, einen bronzenen Nagel in der Craft-Kategorie „Innovative Technologien“ und eine „Auszeichnung“ in der Craft-Kategorie „Interface/Navigation“. Für die Kugel-Show in der Energiezentrale gab’s obendrein noch einen „ADC Nagel in Bronze“ in der Kategorie „Events“. Überdies würdigte die Jury dann noch das Gesamtprojekt Deutscher Pavillon mit einem silbernen Nagel in der Kategorie „Kommunikation im Raum“.

Bei der ARGE Deutscher Pavillon, war die Freude über den Preissegen groß. Verantwortlich für die gelungene Gestaltung und Realisierung von „balancity“ zeichnen Milla & Partner (Ausstellung und Medien) gemeinsam mit Schmidhuber + Partner (Architektur) und NÜSSLI (Projektmanagement und Umsetzung). Auftraggeber war das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das die Koelnmesse International als Durchführungsgesellschaft mit der Vorbereitung und dem Betrieb betraut hatte.

Die ADC Nägel gehören zu den wichtigsten Preisen in einer ganzen Reihe von Auszeichnungen, mit denen das Projekt bis heute bedacht wurde, darunter der „Golden Award“ vom Bureau of Shanghai World Expo Coordination für die „beste Umsetzung des EXPO-Themas“. „balancity“ mit seiner interaktiven Kugel-Show gehörte zu den stärksten Anziehungspunkten der EXPO 2010 und zählte mehr als vier Millionen Besucher.

Über den ADC Wettbewerb
Der ADC Wettbewerb, ausgeschrieben vom Art Directors Club für Deutschland (ADC) e. V., ist einer der wichtigsten Kreativwettbewerbe. Die Jurierung und Preisverleihung erfolgt im Rahmen des ADC Festivals. Es ist das größte Treffen der Kreativbranche im deutschsprachigen Raum und fand in diesem Jahr von 4. bis 8. Mai auf der Frankfurter Messe statt. Zum Beginn des Festivals nahmen die 25 Fachjurys ihre Arbeit in Frankfurt auf, um unter dem Vorsitz von Chuck Porter Kampagnen und Einzelarbeiten zu bewerten, die acht Wettbewerbsbereichen zugeordnet waren: Klassische Medien, Design, Digitale Medien, Editorial, Dialogmarketing/Promotion/Media, Räumliche Inszenierung, Ganzheitliche Kommunikation und Craft. Alle eingereichten Arbeiten – insgesamt über 9.000 Exponate – wurden in der großen ADC Ausstellung vom 6. bis 8. Mai dem Publikum vorgestellt. Bei der Preisverleihung am 7. Mai gab der ADC die Gewinner bekannt. Alle ausgezeichneten Arbeiten werden zudem im ADC Jahrbuch veröffentlicht.

Über Milla & Partner
Milla & Partner ist eine der qualitativ und quantitativ führenden Agenturen für Kommunikation im Raum. Als Gestalter von Ausstellungen, Messeauftritten und Events verbinden die Stuttgarter Szenografen Menschen mit Themen und Marken, schaffen Begegnungsplattformen und Berührungs-punkte. Dabei wissen sie das Können verschiedenster Disziplinen und Gewerke zu nutzen, die bei der Inszenierung von Räumen und Begegnungen zusammenwirken. Neben dem Entwurf und der Umsetzung umfassender dramaturgischer Konzepte widmen sich Milla & Partner insbesondere der Entwicklung und dem Design kommunikativer Objekte und innovativer Schnittstellen, die das Publikum zur Interaktion anregen, die Besucher in Themen involvieren. Große Aufmerksamkeit weckten Milla & Partner zuletzt mit dem Entwurf für das nationale Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin, gestaltet gemeinsam mit der Choreografin Sasha Waltz.
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/82.html Mon, 09 May 11 00:00:00 +0200 http://www.milla.de/presse-artikel/items/82.html
The Guardian, 19.04.2011: Giant, rocking Berlin dish will be unity monument
The monument to unity is called Citizens in Motion, and is apparently all about people coming together. If you want to make it move, you have to get a group together and all go in a particular direction. "That's what a peaceful revolution is about," said Johannes Milla, the Stuttgart architect who collaborated with Berlin's star choreographer, Sasha Waltz, on the unique design.

"The rest of the world's monuments are built to be looked at," said Milla. "With this concept, it's the people who'll make it into something. "Maybe they'll use it for theatre, or like Speaker's Corner, or skaters will use it. The people will make it their own." The asphalt bed of the monument will carry the slogans of the 1989 demonstrations: "Wir sind das Volk" (We are the people) and "Wir sind ein Volk" (We are one people).

Engravings on its steel belly will depict images of the revolution. It took 12 years and two public bids before Germany's culture minister finally approved the ¤10m (£8.76m) project, expected to take two to three years to build. The monument's home will be an east Berlin square in front of the soon to be reconstructed Berlin Palace, formerly home to the Prussian rulers, and demolished by the German Democratic Republic's communist regime. The square was also the site of the former GDR parliament, and 1 million people held a peaceful demonstration there just months before the fall of the wall.

Critics call it a gimmick, more like a playground for grown-ups than a sincere monument to history. The designers seem unfazed. After all, controversy dogged Berlin's Memorial to the Murdered Jews of Europe, a 2 hectare (5 acre) maze of pathways and stone columns, which has since attracted millions of visitors.

This is also a very different monument, according to Günter Nooke, a former civil rights activist and now a Christian Democrat MP, who grew up in the GDR. "We wanted a monument to joy, to express our happiness," said Nooke. "There were no victims of the peaceful revolution. There are other places in Berlin where you can remember the victims of the Berlin Wall. This is about celebrating the revolution and reunification."

Abby d´Arcy Hughes, Berlin
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/80.html Tue, 19 Apr 11 00:00:00 +0200 http://www.milla.de/presse-artikel/items/80.html
Stuttgarter Zeitung, 14.04.2011: In der Waagschale der Demokratie
Das Einheitsdenkmal für Berlin kommt aus Stuttgart: Gestern Abend hat der Kulturausschuss des Deutschen Bundestages den Vorschlag des Kulturstaatsministers Bernd Neumann (CDU) gebilligt, mitten in der Hauptstadt am Rande des Schlossplatzes den Entwurf „Bürger in Bewegung” der Agentur Milla & Partner und der Choreografin Sasha Waltz zu realisieren. Nach über dreijähriger Debatte mit zum Teil durchaus burleskem, weil nicht immer zielfühendem Verlauf ist damit der künstlerische Wettbewerb um dieses Bauprojekt von staatstragendem Rang zum Abschluss gekommen. Es soll an die Bürgerrevolution in der DDR im Herbst 1989 und an die Vereinigung am 3. Oktober 1990 erinnern. Laut Experten ist ein Baubeginn jederzeit möglich; über die nötige Bauzeit herrscht Unklarheit.

„Uns kam es darauf an, ein Denkmal zu schaffen, das die Menschen nicht nur betrachten oder fotografieren, sondern bei dem sie aktiv und selbst zum Teil des Denkmals werden.” So erläuterte der Kommunikationsexperte Johannes Milla gegenüber der Stuttgarter Zeitung seinen Ansatz. Deswegen lebt die etwa 50 Meter lange, an beiden Seiten himmelwärts gebogene Metallschale des Entwurfs auch nicht nur von der Dynamik ihres Anblicks, sondern vor allem von der Bewegung ihrer Besucher: Das Denkmal ist begeh- und veränderbar. Je nachdem, ob und wie seine Gäste miteinander kommunizieren und ihren Standort wählen, wird sich die Schale hier heben und dort senken. So sollen die beiden Schlüsselsätze der friedlichen Revolution von 1989/90 lebendig werden, die in der Schale mittels Großbuchstaben zu lesen sind: „Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk.”

In der Ausschussdebatte äußerten Vertreter der Grünen und der Linken nochmals grundsätzliche Bedenken - weniger gegen den Entwurf von Milla und Waltz, der sich in einer letzten Wettbewerbsrunde gegen Konzepte des Münchner Architekten Andreas Meck und des Bildhauers Stephan Balkenhol durchgesetzt hatte, sondern gegen das Verfahren. Während sich die Grünen zunächst noch einen längeren „gesellschaftlichen Diskurs” über das Denkmal wünschten, bevor endgültig entschieden wird, zweifelten die Linken grundsätzlich an, ob man „Freiheit” und „Einheit” so forsch miteinander verknüpfen dürfe. Beide Positionen blieben aber gestern in der Minderheit.

Immerhin sind so die beiden verschiedenen Ebenen skizziert, auf denen das Bauprojekt zu diskutieren ist. Die erste Frage lautet: Brauchen wir überhaupt ein Freiheits- und Einheitsdenkmal? Und sofern man diese Frage positiv entschieden hat, folgt Frage Nummer zwo: Braucht man speziell dieses Freiheits- und Einheitsdenkmal von Johannes Milla und Sasha Waltz?

Was das Grundsätzliche angeht, kann man auch weiterhin geteilter Meinung sein. Die Geschichte großer Nationalmonumente beginnt weit zurückliegend im neunzehnten Jahrhundert und endet nicht ohne Grund im zwanzigsten Jahrhundert mit all seinen Schrecken. Letzteres tut sie nicht nur, weil der Nationalstaat in Europa angesichts internationaler Bündnisse seine Deutungsmacht verliert, sondern vor allem, weil es im Grunde keine überzeugende Bilder- und Symbolsprache mehr für den Staat oder das Nationalvolk gibt.

Das macht im Übrigen sehr schön das Vorgängermonument auf dem Schlossplatz deutlich, das 1950 die DDR-Macht abtragen ließ: Als die Reichsregierung 1891 nach einem schlüssigen Symbol für ein Nationaldenkmal des Deutschen Reiches suchte, da war klar, das nur ein Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I., also des offiziellen Reichsvereinigers von 1871, in Frage käme. Doch was kann 120 Jahre später im demokratischen Deutschland den Protest und die Revolution mutiger DDR-Bürger symbolisieren, wenn man nicht auf Flammen, Fahnen oder heroische Schriftzüge zurückgreifen will? Es hätte guten Grund gegeben, aus dieser ästhetischen Not heraus auf ein Nationaldenkmal in Berlin lieber zu verzichten - aber nun gut, der Deutsche Bundestag hat am 9. November 2007 anders entschieden, unter anderem auf Initiative früherer DDR-Bürgerrechtler hin.

Wenn man dieses Votum als gegeben nimmt, dann allerdings ist die Grundidee von Johannes Milla und Sasha Waltz bestechend. Sie haben sich entschlossen, ein Kunstwerk zu schaffen, das erst durch das Mittun der Passanten den Rang eines Denkmals erlangt. Im Laufe des Wettbewerbs gab es Bedenken, ob sich das Konzept einer begehbaren beweglichen Metallschale technisch realisieren lässt und den Kostenrahmen von 10 Millionen Euro einhält. Dies scheint von Experten bestätigt.

Wenn das Projekt „Bürger in Bewegung” gelingt, fügt es sich letztlich in der staatskunstpolitischen Dramaturgie der deutschen Hauptstadt ein neben dem rekonstruierten Reichstagsgebäude und dem Holocaust-Mahnmal. So wie das Schönste am Deutschen Bundestag ja zweifellos ist - baulich betrachtet -, dass die Bürger hoch über ihm in der gläsernen Reichstagskuppel von Norman Foster hinauf- und herunterspazieren können, so wird auch das knapp 20 000 Quadratmeter große Stelenfeld von Peter Eisenman zur Erinnerung an die Judenvernichtung in all seiner Monumentalität nur dadurch erträglich, dass es Tag für Tag von einer internationalen Flaneursgemeinde ganz unverkrampft mit urbanem Leben erfüllt wird.

Kunst bringt Bewegung, Bewegung bringt Nachdenken. Ob das auch beim Freiheits- und Einheitsdenkmal am Schlossplatz gelingen wird? Johannes Milla und Sasha Waltz haben dafür das Ihrige getan.

Von Tim Schleider
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/81.html Thu, 14 Apr 11 00:00:00 +0200 http://www.milla.de/presse-artikel/items/81.html
Milla & Partner und Sasha Waltz gestalten Einheitsdenkmal Die Entscheidung über die Gestaltung von Deutschlands Denkmal zur Freiheit und Einheit in Berlin ist gefallen: Realisiert wird der Entwurf der Arbeitsgemeinschaft bestehend aus den Stuttgarter Szenografen Milla & Partner und der Berliner Choreographin Sasha Waltz. Bereits im Oktober 2010 hatte die Jury den Entwurf als einen von drei gleichrangigen Gewinnern des Gestaltungswettbewerbs gekürt. Nach einer Überarbeitungsphase, in der es noch offene Fragen zu allen drei preisgekrönten Entwürfen zu klären galt, fiel die Wahl nun endgültig auf die Arbeit von Sasha Waltz und Milla & Partner.

Das Denkmal trägt den Titel „Bürger in Bewegung“, eine Botschaft, die Milla & Partner und Sasha Waltz in außergewöhnlicher Weise umsetzen. Denn die Skulptur, die einer nach oben geöffneten Schale ähnelt, steht nicht starr, versteht sich nicht als bloßes Objekt der Betrachtung. Sie soll begangen und bewegt werden. Möglich wird diese Bewegung, wenn sich die Besucher in einer größeren Gruppe verständigen.

So kühn die Idee, so hoch sind die Anforderungen an Statik und Sicherheit. Dabei konnten Milla & Partner und Sasha Waltz alle entsprechenden Rückfragen der Auslober beantworten und mit ihren Lösungen überzeugen. Als Fachberater hatten sie schon bei der Ausarbeitung ihrer Idee die Stuttgarter Ingenieure Leonhardt, Andrä und Partner hinzugezogen.

Der Entwurf versteht sich als „soziale Plastik“. Sie wurde in dem Geist geschaffen, dass jeder Mensch durch kreatives Handeln zum Wohl der Gemeinschaft beitragen und dadurch gestaltend auf die Gesellschaft einwirken kann. Sie gibt den Bürgern Gewicht. – Die Besucher, die das gesamte Objekt in Bewegung setzen, werden dadurch zum aktiven Teil des Denkmals. Formuliert wird damit auch ein sich ständig wandelnder choreographischer Ausdruck für die friedliche Revolution von 1989.

Die Form des Denkmals ist nach oben geöffnet, ähnlich einer Schale. Leicht und dynamisch anmutend erinnert es den Betrachter an Flügel, an ein Blatt oder ein Boot. Der Umriss scheint aus dem Sockel des ehemaligen Denkmals für Kaiser Wilhelm I. herausgelöst, empor gestemmt durch die gemeinsame Kraft der Demonstranten – von der Vergangenheit in eine optimistische Zukunft. Während die Außenseite die bewegenden Ereignisse der friedlichen Revolution abbildet, bietet die nach oben geöffnete Innenseite Raum für die heutige Auseinandersetzung mit den Begriffen Freiheit und Einheit – ein Forum, das die Bürger von heute, die Besucher selbst in den Mittelpunkt stellt und von ihnen genutzt werden kann.

Über Milla & Partner, Agentur und Ateliers, Stuttgart

Milla & Partner verbinden Menschen mit Menschen, Themen und Marken. Die Stuttgarter Szenografen kreieren und realisieren kommunikative Objekte, Plattformen und Raumerlebnisse wie Museen, Ausstellungen oder Science-Center. Neben dem Entwurf und der Umsetzung umfassender dramaturgischer Konzepte widmen sich Milla & Partner insbesondere der Entwicklung und dem Design innovativer Schnittstellen, die das Publikum zur Interaktion anregen, schaffen Installationen, die Besucher aktivieren, die Menschen in Themen involvieren. Dabei verbinden sie das Können verschiedenster Disziplinen und Gewerke, die bei der Inszenierung von Räumen und Begegnungen zusammenwirken.

Zu den jüngsten Arbeiten von Milla & Partner gehört der Deutsche Pavillon „balancity“ auf der Weltausstellung 2010 in Shanghai, der bis heute mit über 10 Auszeichnungen bedacht wurde, darunter der „Golden Award“ für die beste Umsetzung des EXPO-Themas. Milla & Partner sind vierfacher Preisträger des „iF communication design award 2011“ und zweifacher Preisträger des „red dot award: communication design 2010“. Für ihre Arbeiten wurde die Agentur für Kommunikation im Raum daneben mit zahlreichen weiteren Preisen ausgezeichnet, deren breites Spektrum ihre grenzüberschreitende Denk- und Arbeitsweise widerspiegelt – vom Cannes Löwen über den ADC Nagel und den DDC Award bis hin zum ADAM- und EVA-Award.

Über Sasha Waltz und Jochen Sandig

Die Choreographin Sasha Waltz ist Leiterin des Tanzensembles Sasha Waltz & Guests, das sie 1993 gemeinsam mit Jochen Sandig in Berlin gründete. Internationale Bekanntheit erlangte sie neben ihren Inszenierungen in den Sophiensälen, der Schaubühne am Lehniner Platz, der Berliner Staatsoper und dem Radialsystem V vor allem auch durch ihre spektakulären Arbeiten in Museen wie dem Jüdischen Museum Berlin (1999) und der musikalisch-choreographischen Installation „Dialoge 09“ zur Eröffnung des Neuen Museums in Berlin (2009). Zu ihren aktuellen Projekten gehört die choreographische Oper „Matsukaze“ des japanischen Komponisten Toshio Hosokawa an der Oper La Monnaie in Brüssel. Für Ihre Arbeit wurde Sasha Waltz mehrfach ausgezeichnet, aktuell wurde ihr das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Jochen Sandig ist darüber hinaus Gründer und Kodirektor des Radialsystem V in Berlin, das seit 2006 die neue Produktionsstätte von Sasha Waltz & Guests darstellt.
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/79.html Wed, 13 Apr 11 00:00:00 +0200 http://www.milla.de/presse-artikel/items/79.html
Milla & Partner richten Berliner Büro und Innovationslabor ein In neuem Design, mit einem Relaunch ihrer Website und dem Ausbau ihres Leistungsangebots hat die Stuttgarter Agentur für Kommunikation im Raum, Milla & Partner, das Jahr 2011 begonnen.

Corporate Design & Website / Milla & Partner in neuem Look

Das „&“ im neuen Erscheinungsbild, das schon im Agenturnamen auftaucht, steht für das Verbindende der Arbeit von Milla & Partner. „Wir verbinden Menschen mit anderen Menschen, mit Themen, Marken und Märkten. Wir schaffen Plattformen für die unmittelbare Begegnung, Räume für den Dialog“, erläutert Kreativ-Direktor Adrian von Starck. Zudem unterstreicht das „&“ den Disziplinen übergreifenden Ansatz und die integrative Kraft der Stuttgarter Szenografen. „Wir verbinden alle Aspekte von Kommunikation im Raum“, sagt Adrian von Starck, dazu gehören Dramaturgie & Architektur genauso wie Interaktionsschnittstellen & Medien, Besucherführung & Kommunikationsmobiliar oder Markenzeichen & Szenografie.

Das neue Corporate Design entstand basierend auf Anregungen des Designbüros Strichpunkt aus Stuttgart. Die Website wurde von feedback media design gestaltet. Die Website bietet nach dem Relaunch nicht nur eine großzügige Bühne für aktuelle Projekte, sondern auch Einblicke in die Büros, Werkstätten und Ateliers von Milla & Partner. Hier sieht der Besucher Architekten, Designer, Modellbauer oder Projektmanager bei der Arbeit und kann einige ihrer Gedanken lesen. Die typografischen Stanzungen des Menüs gewähren Durchblicke auf die dahinterliegenden Arbeitsszenen.

Büro & Spreeufer / Milla & Partner mit Dependance in Berlin

Milla & Partner haben aber nicht nur in einen neuen Look investiert, sondern expandieren auch – geografisch und personell. Die Agentur hat ein Büro in Berlin eröffnet. Ganz neu ist die Präsenz in der Hauptstadt nicht. „Bereits seit Jahren arbeiten wir dort mit einigen Mitarbeitern für mehrere Kunden. Nun treten wir damit nach außen auf“, sagt Johannes Milla.
Die Leitung des Berliner Büros übernimmt Erkan Karakoç, verantwortlich für Strategie und Kundenberatung. Er hat bereits viele gemeinsame Projekte mit Milla & Partner realisiert und ist ein ausgewiesener Experte für Kommunikationsstrategien im digital und mobil vernetzen Umfeld.

Zur festen Büro-Besetzung gehört daneben David Riebner, der bereits seit März 2010 für Milla & Partner tätig ist und davor beim Art Directors Club für Deutschland als Projektleiter für den „ADC Wettbewerb“ verantwortlich war.
Das neue Büro liegt in einem alten Gewerbehof in Berlin-Kreuzberg, direkt am Spreeufer, umgangs-sprachlich bekannt als „Industriepalast am Schlesischen Tor“.

Medien & Innovation / Milla & Partner richten Innovationslabor ein

Mit dem Innovationslabor bündeln Milla & Partner ihre Kompetenz für innovative Schnittstellen und Medien-Installationen. Immer wieder haben die Stuttgarter Szenografen auf diesem Gebiet Lösungen entwickelt, die als Weltpremieren neue Standards setzten, zuletzt etwa die große Interaktion in der Kugel-Show des Deutschen Pavillons auf der EXPO 2010, die berührungsfreie Gesten-Steuerung oder die Nutzung der Cave (eines den Betrachter vollends umgebenden virtuellen Raumes) zur Neugestaltung und Evaluierung des Shopdesigns für Mercedes-Benz-Autohäuser in aller Welt.

Mit der Einrichtung des Innovationslabors zur Erforschung neuer Medien und Kommunikationsformate bauen Milla & Partner diese Stärke nun noch weiter aus. „In den vergangenen 15 Jahren haben wir gemeinsam mit Entwicklungspartnern aus Wirtschaft und Forschung immer wieder Innovationen angestoßen. Durch das Innovationslabor werden wir einen größeren Teil dieser Wertschöpfungskette in die Agentur integrieren“, sagt Geschäftsführer Johannes Milla. Geleitet wird das Innovationslabor von Kreativ-Direktor Claudius Brodmann, der sich als Regisseur und Designer für digitale Medien in virtuellen und realen Räumen bereits einen Namen gemacht hat. Zum Kernteam gehören daneben Mediendesigner Thomas Frenzel und Ingo Wörner, gefragter Medienprogrammierer und Entwickler von Plattformen wie „Boerse-Stuttgart.tv“ oder der legendären Hip-Hop-Community „www.0711hiphop.com“. Die dreiköpfige Mannschaft ist bereits jetzt sehr gut ausgelastet und soll schon bald personellen Zuwachs erhalten.

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http://www.milla.de/presse-artikel/items/78.html Thu, 07 Apr 11 00:00:00 +0200 http://www.milla.de/presse-artikel/items/78.html
iF-Gold für balancity! Bei der Preisverleihung am Freitag Abend in München wurden die 30 besten aus 861 Einreichungen für den "iF communication design award 2011" ausgezeichnet. Einer der begehrten "iF gold awards" ging an "balancity", den Deutschen Pavillon auf der EXPO 2010 in Shanghai.

Dass die angesehene iF-Jury "balancity" gleich in zwei Kategorien für preiswürdig befand, war bereits seit Ende Januar bekannt. Ein "iF Label" für ausgezeichnete Gestaltung in der Kategorie "Messeauftritt | Ausstellung" gab es für das Gesamtprojekt "balancity" und eines in der Kategorie "Interaktive Installationen" für das Herzstück des Deutschen Pavillons, die interaktive Kugel in der sogenannten Energiezentrale. Groß war die Freude bei der ARGE Deutscher Pavillon, als dieses gute Ergebnis nun noch "vergoldet" wurde.

Verantwortlich für die gelungene Gestaltung und Realisierung von "balancity" zeichnen Milla & Partner (Ausstellung und Medien) gemeinsam mit Schmidhuber + Partner (Architektur) und NÜSSLI (Projektmanagement und Umsetzung). Auftraggeber war das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das die Koelnmesse International als Durchführungsgesellschaft mit der Vorbereitung und dem Betrieb betraut hatte.

Der "iF gold award" ist einer der wichtigsten Preise in der Reihe von insgesamt zwölf Auszeichnungen, mit denen das Projekt bis heute bedacht wurde, darunter der "Golden Award" vom Bureau of Shanghai World Expo Coordination für die "beste Umsetzung des EXPO-Themas", zwei "EXPO-Oskars" der Shanghai Morning Post und der "EVA-Award in Gold". "balancity" mit seiner interaktiven Kugel-Show gehörte zu den stärksten Anziehungspunkten der EXPO 2010 und zählte mehr als vier Millionen Besucher.

Ebenfalls ausgezeichnet: Multitouch-Medientisch und Messeauftritt von Mercedes-Benz
Ein "iF Label" für ausgezeichnete Gestaltung in der Kategorie "product interfaces" ging an den Multitouch-Medientisch, eine interaktive Multiuser-Anwendung für einen Messeauftritt des Energieversorgers E.ON, die Milla & Partner mit Unterstützung von Projekttriangle Design Studio entwickelt haben. Sie ermöglicht es, komplexe Zusammenhänge der Energieversorgung spielerisch zu ergründen und schafft einen attraktiven Kristallisationspunkt für Gespräche. Die Applikationen lassen sich vollständig über die berührungsempfindliche Oberfläche bedienen. Eine gestische Steuerung erlaubt es – mittels Schieben, Rotieren, Tippen und Wischen – die Inhalte zu beeinflussen. Vier Spieler und ein Spielleiter können zeitgleich interagieren und beispielsweise die Entscheidungsspielräume bei der Stromproduktion ausloten.

Ein weiteres "iF Label" für ausgezeichnete Gestaltung verdienten sich Milla & Partner in der Kategorie "Messeauftritt | Ausstellung" für den Messeauftritt von Mercedes-Benz auf der Automechanika, der durch Authentizität und Nähe zur Arbeitswelt der Werkstätten und Servicepartner überzeugte. Zwei außergewöhnliche Installationen prägten hier den Raum: Das "Hebebühnen-Ballett" entlang der Fensterfront, für das Milla & Partner Automobile auf alltagstauglichen Hebebühnen tanzen ließen, und der sechs Meter hohe "Horizont der Gitterboxen", der ausschließlich aus normierten Boxen bestand, die später wieder in den Pfandkreislauf zurückgeführt werden konnten.

iF communication design award und Preisverleihung
Zur Bekanntgabe und Ehrung der Gewinner kamen am gestrigen Freitag über 500 Gäste nach München in die BMW Welt. 861 Teilnehmer aus 27 Ländern hatten ihre Beiträge beim "iF communication design award 2011" eingereicht. 231 konnten vor den Augen der Jury bestehen. Sie erhielten das "iF Label für ausgezeichnete Gestaltung im Bereich Kommunikation" und werden nun in der iF online exhibition unter www.ifdesign.de präsentiert. Lediglich die 30 Besten konnten einen der begehrten "iF gold awards" mit nach Hause nehmen.
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/76.html Mon, 21 Mar 11 00:00:00 +0100 http://www.milla.de/presse-artikel/items/76.html
HORIZONT, 17.03.2011: Aus Liebe zur Technologie
Unter dem Dach des Stammsitzes hat Agenturgründer Johannes Milla ein Innovationslabor errichtet. Claudius Brodmann leitet die Unit, deren Ziel es ist, neue Medien und Kommunikationsformate zu erforschen. Dabei liegt der Fokus auf der Verbindung von Raum, Medien und Interaktion. Brodmann wird unterstützt von Mediendesigner Thomas Frenzel und Programmierer Ingo Wörner. Die kleine Mannschaft sei bereits jetzt sehr gut ausgelastet und soll personell weiter aufgestockt werden, sagt Milla.

„Als wir die Agentur vor 22 Jahren gegründet haben, war es eigentlich gar nicht unser Ziel, so auf Technologie fokussiert zu sein“, erinnert Milla. „Wir wollten in unserer Kreation frei von Auslastungsüberlegungen in einer Technikabteilung sein.“ Allerdings habe das Team in den vergangenen 15 Jahren gemeinsam mit Subunternehmern so viele Innovationen angestoßen, dass man es im Sinne der Wertschöpfungskette für klüger hält, solche Entwicklungen künftig inhouse zu realisieren.

ADC-Mitglied Milla will sich mit der Bekanntgabe der neuen Unit offiziell als technologisches Innovationsunternehmen „outen“. Auf bisherige Erfindungen der Agentur angesprochen, verweist er auf Anwendungen, die heute aus dem Bereich Szenografie nicht mehr wegzudenken sind: programmiertes Kunstlicht und wandelnde Klänge beispielsweise, die 1995 bei der Automobilausstellung in Turin erstmals im Auftrag des Kunden Mercedes-Benz entwickelt wurden. Auch im Bereich Augmented Reality habe sein Team bereits experimentiert, als dieses Trendthema noch gar nicht existierte. So hat die Agentur für die Expo 2000 ein interaktives Fernrohr geschaffen, das es erlaubte, ein Bild der realen Umgebung durch die digital eingespielte Informationsebene zu erweitern.

Eine ganze Reihe von Innovationen sind voriges Jahr zur Expo in Shanghai entstanden. Hier hat das Team zusammen mit dem Architekturbüro Schmidhuber + Kaindl den Deutschen Pavillon zum Thema „balancity – eine Stadt im Gleichgewicht“ umgesetzt. Die dort präsentierten Exponate, die mittels intuitiver Gegensteuerung bedient werden konnten, erinnern an den Film „Minority Report“. Die in dem Blockbuster mit Tom Cruise dargestellten Requisiten galten 2002 als Prototypen für zukünftige Entwicklungen in der Informationstechnik. Heute finden sich solche Anwendungen zwar (noch) nicht im Alltag wieder, aber sie halten Einzug bei zukunftsweisenden Messen und Ausstellungen.

Trotz allen Fortschritts sieht der Agenturchef insbesondere im Bereich mobiler Informationssysteme in Verbindung mit permanenten und temporären Markenräumen noch immer „extremen“ Entwicklungsbedarf. Woran seine Innovationscrew in dem Segment tüftelt, will Milla nicht verraten, um die Wettbewerber nicht aufzuscheuchen. Aber einige Innovationen wird die Agentur im Laufe dieses Jahres sicherlich noch präsentieren – zum Beispiel im Erwin-Hymer-Museum, das im Sommer 2011 in Bad Waldsee eröffnen wird. Der Hersteller von Reisemobilen verspricht auf seiner Webseite „eine einzigartige Entdeckungstour durch Geschichte, Gegenwart und Zukunft des mobilen Reisens“ und hat Milla & Partner als „Reiseleiter“ engagiert. Dieser Auftrag, den die Agentur in einer Wettbewerbspräsentation Ende 2010 ergattern konnte, bietet gewiss Potenzial für ein weiteres preisgekröntes Beispiel in der Kategorie „Kommunikation im Raum“ – eine Sparte, die beim ADC Wettbewerb zu den größten Wachstumsbereichen gehört und in der Milla & Partner in schöner Regelmäßigkeit überzeugen kann.
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/77.html Thu, 17 Mar 11 00:00:00 +0100 http://www.milla.de/presse-artikel/items/77.html
Ausstellungsgestaltung Erwin Hymer Museum Milla & Partner haben den Wettbewerb um die Gestaltung der Ausstellung im Erwin Hymer Museum gewonnen. Es wird noch im Sommer 2011, am Stammsitz des Caravan- und Reisemobil-Herstellers Hymer im oberschwäbischen Bad Waldsee, eröffnen.

Das Erwin Hymer Museum wird zu einer Entdeckungstour durch die Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Reisens mit Caravan und Wohnwagen einladen. Auf der Ausstellungsfläche von 6.000 Quadratmetern wird es Raum für ausgewählte Exponate aus der beeindruckenden Sammlung des Reisemobil-Pioniers Erwin Hymer bieten. Der Fundus umfasst über 200 Stücke verschiedenster Marken und Hersteller – Wohnwagen, Reisemobile, Motorräder und Zubehör.

In der Ausstellung werden wechselnde Gefährte aus acht Jahrzehnten zu sehen sein. Eingebunden in eine Erlebniswelt werden sie die Entwicklung der Freizeitfahrzeuge und den Wandel in der Fahrzeugfertigung dokumentieren. Auch faszinierende Eigenbauten und restaurierte Unikate werden die Besucher bestaunen können. Viele Reiseerinnerungen und so manche Sehnsucht wird die Ausstellung wecken.

Der aus zwei Gebäuden bestehende Museumskomplex, der die Ausstellung beherbergen wird, ist bereits fertig gestellt. Architektonisch ist er einem stehenden und einem liegenden Caravan-Fenster nachempfunden. Das eingeschossige, kleinere Gebäude mit seiner hinterleuchteten Glasaußenhaut sowie das Hauptgebäude mit seinen komplett verglasten Nord- und Südfassaden und seiner geprägten Edelstahlhülle bilden schon jetzt einen Blickfang. Neben der Ausstellung bieten die markanten Bauten Raum für Tagungen und eine 2.500 Quadratmeter große Eventfläche.

Träger des Museums ist die Erwin Hymer Stiftung, die 2001 von Erwin Hymer ins Leben gerufen wurde. Weitere Informationen finden Sie unter www.erwin-hymer-museum.de.
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/75.html Mon, 21 Feb 11 00:00:00 +0100 http://www.milla.de/presse-artikel/items/75.html
m+a report Jan/Feb 2011: Gewusst wo
AM schönsten ist es, wenn man den Weg findet, ohne ihn zu suchen. Ob Messestand, Event oder Ausstellung: Die Besucher sollen sich orientieren können, ohne es als aktive Anstrengung zu empfinden. Damit das funktioniert, machen sich kreative Gestalter im Vorfeld Gedanken, die nicht nur die gewünschten Ergebnisse, sondern auch noch Spaß bringen. Das ist der Fall, wenn Leute geführt und gleichzeitig integriert werden.

Zunächst einmal dürfte man jedoch Besucherführung und Besucherleitsystem nicht verwechseln, betont Johannes Milla, Kreativ-Direktor und Geschäftsführer von Milla & Partner, Agentur und Ateliers, Stuttgart. „Die beste Führung ist diejenige, die das Publikum gar nicht bemerkt, die gar kein Leitsystem braucht, weil sie rein intuitiv funktioniert. So wie man als Mitteleuropäer in jedem Dorf die Kirche findet, auch wenn sie nicht ausgeschildert ist, sogar wenn der Kirchturm nicht zu sehen ist.“

Der Begriff ‚Leitsystem‘ wurde oft im Sinne von Schildern und Farbcodierung verstanden, so Milla. Diese seien jedoch nur die Ultima Ratio. „Ein gutes Besucherleitsystem funktioniert auf den ersten Blick und bedarf keiner Erklärung. Es folgt einer unmissverständlichen, inneren Logik, die immer aus den Inhalten und der szenografischen Struktur folgt.

Die Agentur Uniplan mit Stammsitz in Köln weist auf die Wichtigkeit hin, dass eine Führung international verstanden wird. Gerade Fachmessen werden zumeist von vielen verschiedenen Nationalitäten besucht und alle wollen wissen, wo sie sind und wo sie das finden, was sie interessiert. Da die Wahrnehmung des Menschen begrenzt ist, müssen bei der Konzeption und der Gestaltung Aspekte wie der Informationsgehalt an sich und die optimale Verwendung von Text beziehungsweise Bild berücksichtigt werden, so die Agentur.

Das Thema Typografie und der daraus resultierende gezielte Einsatz von Schriftarten, -größen, -schnitten und so weiter bilden häufig den Schwerpunkt bei der Gestaltung von Leitsystemen. Hier spielt die Lesbarkeit und die Leserlichkeit eine große Rolle. So müsse der Rezipient auf Distanz, eventuell in Eile oder mit einer schweren Sehbehinderung mit der Gestaltung des Orientierungssystems zurechtkommen und dies intuitiv nutzen können. Auch allgemein verständliche Piktogramme spielen eine bedeutende Rolle und seien seit den Olympischen Sommerspielen 1972 (gestaltet durch Otl Aicher) nicht mehr wegzudenken.

Darüber hinaus stiften Leitsysteme aber auch Identität – in besten Fall für die Organisation oder das Gebäude, in dem sie eingesetzt werden. Uniplan: „Leitsysteme werden dann so gestaltet, dass sie einen Rückschluss auf die Organisation oder aber das Gebäude zulassen. Die strengen Anforderungen, wie sie an öffentlichen Plätzen wie Flughäfen herrschen, spielen in kleineren oder privaten Bereichen eine geringere Rolle und eröffnen die Möglichkeit zu einer spielerischen Gestaltung, die sowohl Besucher als auch Mitarbeiter ansprechen soll.“

Auf Messen verlagert sich die Bedeutung von Leitsystemen ein wenig. „In erster Linie erfolgt hier die Besucherführung über die Architektur im Zusammenspiel mit der grafischen Gestaltung“, ist aus dem Hause Uniplan zu erfahren. „Kommt es zum Einsatz von Leitsystemen, sind sie quasi die Verlängerung des Architekturkonzepts gestaltet. Für Messestände mit vielen Produkten oder Marken unter einem Dach kann man durch den Aufbau des Grundrisses und durch die Verwendung von unterschiedlichen Farben und Materialien eine Differenzierung und Orientierung erzielen.“

Der Einsatz von Leitsystemen sei zudem von der Zielgruppe abhängig. Während bei B2C-Präsentationen eher das explorative Entdecken, das Eintauchen in die Markenwelt und das emotionale Erlebnis mit allen Sinnen eine Rolle spiele, werde man bei B2B-Besuchern sicherlich konkreter – auch in der Führung. Hier müsse der Informationsgehalt ungleich größer sein, damit Fachbesucher schnell die gewünschten Informationen auf dem Stand finden.

Intelligente Organisationssysteme bringen außerdem den Nutzen, dass die Besucher ihre Zeit nicht mit Suchen verbringen, sondern sich möglichst lange mit den Produkten oder Marken, die sie interessieren, auseinandersetzten. „Die Besucherführung ist für eine Ausstellung oder einen Messestand erfolgsentscheidend“, sagt auch Milla. „Denn was nützt das schönste Exponat, wenn die Besucher es nicht in den Kontext einordnen können, wenn sie verwirrt oder gar frustriert wieder abziehen?“ Innovationen im Medienformat können die Anziehungskraft von Leitsystemen zudem erhöhen. Entscheiden bleibe aber, so Milla, dass sie ihre Funktion erfüllen, nämlich Orientierung bieten, damit der Effekt des Neuen nicht gleich verpufft. „Funktionierende Leitsysteme sind ein Ausdruck von Respekt vor einem selbstbestimmenden Publikum. Sie machen die Besucher autark.“

Das Leitsystem, das den Besuchern der Thyssen Krupp Quartiertage im September 2010 auf ihrem Weg über das 17 Hektar große Gelände Orientierung bot und sie über verschiedene Themen und Exponate informierte, wurde von Milla & Partner entworfen und realisiert. Verschiedene Informationsobjekte sorgten für Orientierung und luden die Gäste ein, das Unternehmen und sein modernes Quartier kennenzulernen wie auch interessante Exponate für sich zu entdecken. Seit Juni 2010 befindet sich die Zentrale von Thyssen Krupp wieder in Essen, wo seit nahezu 200 Jahren Firmengeschichte geschrieben wird.

Für die „Allee der Welten“, eine Allee aus 68 Bäumen von allen Kontinenten, entwarfen die Stuttgarter Ausstellungsmacher speziell geformte Displays, sogenannte Baumscheiben, die die verschiedenen Standorte des Konzerns und drei aktuelle Bauprojekte vorstellten. Die dreidimensionale Vorstellungskraft der Gäste wurde beim Spiel mit dem von Milla & Partner entwickelten „Innovation Cube“ gefordert. Hier konnten die Besucher wie in einem 3-D-Puzzle einen 1 m großen Würfel zusammenbauen. Die 24 Puzzleteile symbolisieren dabei die Komponenten einer lebendigen Innovationskultur und die Bausteine dynamischer Innovationsprozesse.
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http://www.milla.de/presse-artikel/items/73.html Fri, 18 Feb 11 00:00:00 +0100 http://www.milla.de/presse-artikel/items/73.html
PAGE 12/10: Die Macht der Zeichen
Eine legendäre und eine brandneue Luxuskarosse, daneben ein glänzender Flügel - gemeinsam in Szene gesetzt, jeweils auf einem sehr edel geschwungenem Gewebe, auf dem die dynamischen Linien der Objekte weitergeführt werden. Beim Betreten des Raumes erklingt ein Konzert für drei Klaviere, dessen drei Sätze eine Hommage an die drei Exponate sind: den Steinway-Flügel, den Flügeltürer 300 SL sowie an die neue Generation der Mercedes-SL-Klasse. Angelehnt an den Dreiklang als grundlegenden, Harmonie stiftenden Akkord kommt der Zahl Drei in der Mercedes-Benz-Wanderausstellung "The Shape of Perfection" eine zentrale Bedeutung zu. Doch was haben ein Musikinstrument und ein Auto eigentlich gemeinsam?

Steinway & Sons und Mercedes-Benz sind Traditionsmarken für hochwertige, technisch komplexe Gebrauchtgegenstände, die zudem eine lange Kooperationsgeschichte miteinander verbindet: Die Immigrantenfamilie Steinway handelte zu Beginn des 20. Jahrhundert nicht nur mit Flügeln, sondern importierte auch Premiumprodukte wie Autos in die USA. Ein Feuerwerk der Zeichensysteme auf unterschiedlichen Ebenen also, die die Stuttgarter Agentur für Kommunikation im Raum, Milla & Partner, virtuos miteinander kombiniert. Markenwerte werden mit Grafik, Farben, Materialien und Formen ins Visuelle und mit dem eigens für Mercedes komponierten Klavierstück ins Akustische transformiert.

Der Begriff des Flügels stellt als verbales Zeichen eine Verbindung zwischen dem Musikinstrument und der Türtechnik des Autoklassikers dar. Auch die zeitliche Dimension erhält in der 3-D-Kommunikation ikonischen Charakter, der aber, so Johannes Milla, Kreativdirektor und Geschäftsführer von Milla & Partner, noch häufiger unterschätzt werde. "Wie schnell fühlt sich eine Marke an? Der Faktor Geschwindigkeit in der menschlichen Wahrnehmung hat eine enorme Bedeutung für Markeninszenierungen", betont er. „So wie ein Apple Store mit seiner räumlichen Verdichtung und dynamischer Musik einen Raum der Beschleunigung zu sein scheint, haben wir mit "The Shape of Perfection" für Mercedes einen Ort der Entschleunigung geschaffen."

Alles kann also Zeichen sein, wie schon die Semiotiker Charles Sanders Peirce und Umberto Eco feststellten. Gesten, Schrift, Architektur, Kleidung ebenso wie ihr Fehlen. Für Gestalter keine überraschende Erkenntnis - doch lohnt sich ein neuer Blick auf unseren Zeichenbegriff im Kontext ganzheitlicher Markenkommunikation. Denn schließlich werden Medienkanäle als Zeichenträger immer vielfältiger, die Zielgruppen globaler Brands heterogener; und das Tempo, in dem wir uns in der aktuellen Informationsflut orientieren müssen, nimmt zu. Beschränken wir uns der Übersichtlichkeit halber auf die Entwicklung bildhafter Zeichensysteme - eine klassische Gestaltungsaufgabe, die Designer immer wieder herausfordert. Denn egal, ob es sich um symbolische Elemente einer visuellen Identität oder um Signalzeichen für optimale Bedienbarkeit, beispielsweise Icons oder Piktogramme, handelt: Das Herauskristallisieren einer Essenz erfordert Disziplin und Feingefühl, und so ist die Auseinandersetzung mit Semiotik, also mit der Funktion und Bedeutung von Zeichen in unserer Umwelt, immer auch eine gute Hilfe, um zu eigenständigen, kreativen Lösungen zu gelangen.

Was muss ein zeitgemäßes Markenzeichen bieten? "Es sollte mit einer eindeutigen Idee, einer Haltung aufgeladen sein, die gewünschte Assoziationsketten hervorrufen, international verständlich sein und sich für alle Medienkanäle adaptieren lassen", meint Wolf Schneider, Design-Chef bei Scholz & Friends. "Das christliche Symbol des Kreuzes ist das Exempel für ein zeitgemäßes Markenzeichen, ein Zeichen, das die gesamte Weltbevölkerung versteht, und das die alten Baumeister mit der Form des Kirchenschiffs sogar in die Corporate Architecture übertragen haben." Dass seine maximal reduzierte Form nicht langweilig wird, sei seiner visuellen Flexibilität und medienübergreifenden Variabilität zu verdanken. Wie diese Grundsätze auf zeitgemäße Erscheinungsbilder übertragen werden können, zeige, so Wolf Schneider, das Deutsche-Bank-Logo von Anton Stankowski aus dem Jahr 1972. "Jeder Bankmitarbeiter kennt noch heute die Bedeutung von "Schrägstrich im Quadrat": Wachstum und dynamische Entwicklung, Sicherheit und ein kontrolliertes Umfeld. Ein Markenzeichen muss Identität vermitteln, in der externen Kommunikation ebenso wie nach innen funktionieren."

Bei einem vorsichtigen Relaunch des Signets hat Scholz & Friends kürzlich den Schritt in die dritte Dimension vollzogen. Das ermöglicht eine sinnliche Inszenierung im öffentlichen Raum, etwa am Flughafen Berlin-Tegel, wo eine 3-D-Installation des Logos einen Rahmen für Events liefert. Indem die Marke haptisch begreifbar wird und näher an den Kunden und dessen Lebenswelt heranrückt, scheint sie menschlicher zu wirken. Natürlich sind 3-D-Effekte auch ein Zeichen der Zeit, zugleich aber ein Hinweis darauf, dass es immer wichtiger wird, Zeichensysteme dimensionenübergreifend einsetzbar zu gestalten - denn auch die menschliche Wahrnehmung zieht kaum Grenzen zwischen sinnlichen, sprachlichen oder zeitlichen Phänomenen. Die steigende Menge an Information und die Vielfalt der Kanäle erfordern klare Zeichen. "Reduktion gewinnt an Relevanz", prophezeit Wolf Schneider. "Wir müssen visuellen Ballast abwerfen. Mit unserer Mediennutzung hat sich auch unsere Wahrnehmung verändert, es gibt eine Sehnsucht nach Einfachheit und Tradition. Außerdem ermöglicht das Weglassen von Überflüssigem eine maximale Flexibilität in der Anwendung, im dreidimensionalen ebenso wie im virtuellen Raum und außerdem in allen Formaten, also auch daumennagelgroß auf Facebook." Seine handwerklichen Tipps dazu: Durch Kontraste, Größen und Farben eine gute Wahrnehmbarkeit generieren. "Man muss sich dabei immer wieder fragen: Würde ich das Zeichen bewusst wahrnehmen? Beschränke ich mich wirklich auf das Wesentliche, auf die Idee?"

Etwas anders argumentiert Johannes Milla: "Zeichen in der Markenkommunikation müssen eine Übersetzung ihrer Werte bieten. Abstraktion ist nur eine Möglichkeit, eine solche Transformation kann, je nach Marke, auch üppig und ornamental ausfallen." Er bestätigt allerdings, dass Kommunikation oft Einfachheit mit sich bringt, geht es doch immer darum, Zusammenhänge, Institutionen und Produkte visuell auf den Punkt zu bringen. Dass die Mercedes-Ausstellung "The Shape of Perfection" nicht penetrant oder überladen wirkt, hat auch mit der subtilen Übersetzung von Markenimages und Aussagen zu tun, die durch ihre abstrahierten Formen Spielraum für Assoziationen lässt - erinnern etwa die luftigen grafischen Linien nicht nur an rasante Autofahrten, Motorenmessungen und Straßenverläufe, sondern auch an Klaviersaiten, Notenlinien, Frequenzen oder allgemein an Dynamik. Ein Markenzeichen ist eben immer auch Projektionsfläche.

Und nicht nur bei der Imagekommunikation, auch bei der Entwicklung von Orientierungssystemen in realen oder digitalen Welten dürfte Abstraktion in vielen Fällen nicht nur der Einfachheit wegen, sondern auch aufgrund der Codierung sinnvoll sein: Metaphorische Bilder als kleine intellektuelle Herausforderungen helfen, sich nachhaltig im Gedächtnis der Zielgruppe zu verankern. Die Aufgabe von Designern wird es also künftig weniger sein, Markenimages durch eine visuelle Identität zu fixieren, sondern sie an die spezifischen, ebenfalls zeichenhaften Kommunikationssysteme anzupassen. Denn die Medienkanäle dienen dazu, Markenzeichen mit Werten und Geschichten aufzuladen. Dank der Möglichkeiten des Web 2.0 etwa sind Brands zunehmend den Gestaltungsideen und Meinungen der Konsumenten ausgeliefert.

LEGO zum Beispiel ist eine Marke, deren Produkt, der Legostein, längst Symbolcharakter besitzt - für sie ist es kein Problem, die eigenständige Nutzung durch Konsumenten, etwa als nachgestellte Filmszenen, zu akzeptieren. Voraussetzung für einen derart entspannten Umgang mit diesem Kontrollverlust ist das enorme Selbstbewusstsein des Unternehmens - und ein gutes Produkt. Letztlich, überlegt Johannes Milla, müsse Kurt Weidemanns Zitat für die aktuelle Markenkommunikation folgendermaßen ergänzt werden: "Ein Zeichen ist erst dann gut, wenn man es mit dem Zeh in den Sand malen kann - und wenn es dem Publikum eine Plattform bietet, es sich anzueignen und es selbst aufzuladen." ]]>
http://www.milla.de/presse-artikel/items/38.html Thu, 02 Dec 10 00:00:00 +0100 http://www.milla.de/presse-artikel/items/38.html
Stuttgarter Zeitung 03.11.10: Kein Spektakel um des Spektals willen
Interview mit Johannes Milla

Herr Milla, wie fühlt sich das an, wenn die Welt ein so großes Lob erteilt?
Wir freuen uns sehr. Auf den riesigen Publikumsandrang folgt nun die höchste Ehrung durch eine internationale Jury. Da die Ausstellung fast ausschließlich in Stuttgart entstand, gilt der Preis auch dem Kreativstandort Stuttgart. Und: Bei der Konzeption haben wir konsequent unsere gestalterischen Prinzipien umgesetzt. Wenn das belohnt wird, ist das ein sehr schönes Gefühl.

Wie sehen diese Prinzipien aus?
Auch bei einer Expo ist inhaltliche Tiefe möglich und wird vom Publikum goutiert: Respekt vor dem Publikum, kein erhobener Zeigefinger. Kein Spektakel um des Spektakels willen, sondern immer inhaltliche und gestalterische Substanz. Auch die riesige Kugel, die die Besucher gemeinsam zum Pendeln bringen konnten, ist zwar eine Attraktion, aber sie sollte den Menschen verdeutlichen, dass sie als Gemeinschaft etwas bewirken können.

Bedeutet diese Auszeichnung den internationalen Durchbruch für Milla & Partner?
Nein, es gibt uns seit 22 Jahren und wir sind seit 17 Jahren international aktiv. Seit eineinhalb Jahren werden wir aber fast ausschließlich mit diesem Projekt in Verbindung gebracht. Das erschreckt mich ein wenig: Dieser deutsche Pavillon ist zwar ein wunderbares Extra zu unserer täglichen Arbeit. In der meisten Zeit beschäftigen wir uns allerdings mit normalen und mittleren Projekten und machen ganz bodenständig unsere Arbeit:

Sie stehen mit Ihrem Entwurf für das Denkmal zur Deutschen Einheit in der Endrunde. Erhöht der Preis Ihre Chancen?
Nein, das ist ein ganz anderer Auslober und Auftraggeber. Und zudem ein anderer Kontext. Bei unserem Denkmalentwurf machen wir deutlich, dass Demokratie kein statischer Prozess ist, sondern dass dafür etwas getan werden muss.

Das Interview führte Anja Treiber ]]>
http://www.milla.de/presse-artikel/items/37.html Fri, 05 Nov 10 00:00:00 +0100 http://www.milla.de/presse-artikel/items/37.html