Staatsministerin für Kultur und Medien

Freiheits- und Einheitsdenkmal

Eine soziale Skulptur im Herzen Berlins

Das Freiheits- und Einheitsdenkmal ist als begehbares kinetisches Objekt konzipiert, dessen Erscheinungsbild die Besucher durch Partizipation und Interaktion jeden Tag mitgestalten werden.

Das Denkmal ehrt die mutigen Bürgerinnen und Bürger, die 1989 in friedlicher Revolution den Mauerfall und die Wiedervereinigung Deutschlands ermöglicht haben. Indem sich die Besucher das Denkmal aktiv aneignen, wird es lebendig. Es lädt ein zur Kommunikation und zu einem gemeinsamen Handeln, das über die traditionelle Denkmalbetrachtung hinausgeht. Das Konzept wurde in dem Geist geschaffen, dass jeder Mensch durch kreatives Handeln zum Wohl der Gemeinschaft beitragen und dadurch gestaltend auf die Gesellschaft einwirken kann.

FREIHEIT UND EINHEIT SIND KEINE STATISCHEN ZUSTÄNDE

Sie müssen immer wieder neu definiert werden und erfordern ständiges Engagement. Diese Prozesshaftigkeit bildet die gedankliche Basis des Freiheits- und Einheitsdenkmals. Wie bei der friedlichen Revolution von 1989 müssen sich die Besucher verständigen und zu gemeinsamem Handeln entschließen, um etwas zu bewegen: Wenn sich auf einer Schalenhälfte mindestens 20 Personen mehr zusammenfinden als auf der anderen, beginnt sich die Schale langsam und sanft zu neigen. Neue Perspektiven öffnen sich. Der performative und veränderliche Charakter des Denkmals wird sichtbar und erlebbar.

„Das Denkmal ist eine soziale Skulptur. Sie gewinnt Leben, wenn die Besucher sich zusammenfinden, verständigen und gemeinsam bewegen. Sie aktiviert und lädt zur Partizipation ein - ein Bild für gelebte Demokratie”

Sebastian Letz, Architekt und Kreativdirektor

DIE BEWEGTE GESCHICHTE DES ORTES BLEIBT LESBAR

Das Freiheits- und Einheitsdenkmal entsteht in der Mitte Berlins auf dem Schnittpunkt der historischen Achsen „Unter den Linden“ und „Museumsinsel-Lustgarten-Humboldtforum“, gegenüber dem Westportal des Schlosses. Errichtet wird es auf dem noch erhaltenen Sockel des Reiterstandbilds von Kaiser Wilhelm I., zwischen Schlossfreiheit und Kupfergraben. Nachdem das wilhelminische Nationaldenkmal im Zweiten Weltkrieg unzerstört geblieben war, wurde es 1949 vom DDR-Regime abgetragen. Die bewegliche Schale und ihre Zugänge werden als eigenständige, zeitgenössische architektonische Schicht auf den alten Sockel aufgesetzt. Dieses Prinzip der Schichtung erlaubt es, die unterschiedlichen Ebenen des alten und des neuen Denkmals miteinander zu verbinden, ohne die Differenzen zu verwischen.

Exkurs in Technik und Tests

Die Konstruktion der Schale erfolgt über ein gewichtsoptimiertes Raumtragwerk aus Stahlbauteilen, wie man es vom Brückenbau kennt. Es erstreckt sich über eine Längs- und Querachse von 50 und 18 Metern. An ihrer stärksten Stelle misst die Schale 2,50 Meter und verjüngt sich zum Rand bis auf wenige Zentimeter. Die langsame Bewegung der Schale wird von den Besuchern ausgelöst. Ihr Gewicht bestimmt Maß und Geschwindigkeit der Neigung. Ein kombiniertes Feder- und Dämpfungssystem stellt dabei stets eine sanfte Bewegung sicher.

Das Denkmal ist ein dynamisches Objekt, das von Besuchern in langsame Bewegung versetzt werden kann. In Form, Inhalt, Interaktionsprinzip und seinen technologischen Herausforderungen ist es einmalig, was die Durchführung umfangreicher Tests auch im Maßstab 1:1 erfordert.

Intentionen hinsichtlich Steigungen und Geschwindigkeiten der Bewegung von Mensch und Objekt wurden an einer Zugbrücke in Mannheim überprüft, deren Maße fast identisch mit denen einer Schalenhälfte sind. Die Oberflächen des Denkmals, die Neigungswinkel, die Begehbarkeit und Wirkung für die Besucher wurden anhand eines 1:1 Erdmodells wochenlang getestet: Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und gruppendynamischer Konstellation haben den Probeaufbau begangen, berannt, beschlendert und besetzt.